Doris Knecht
| 07/08
| Kurier-Kolumne
Früher: Früher war, besonders am Land, das Leben härter und die Dinge einfacher. Zum Beispiel Kinderbetreuung. Brauchte man nicht; man hatte die Sippe. Die Jungen arbeiteten am Hof, die Alten halfen, wo sie noch konnten und wenn nicht mehr, passten sie auf die Jüngsten auf, soweit die nicht schon selbst auf sich aufpassten. Man brauchte keine Tagesmutter, keinen Kindergarten für UnterDreijährige, keinen Hort. Man hatte die Omi. Und den Opa.
Von solchen Voraussetzungen geht die sonst taddellos interessante Teuerungsgeschichte im gestrigen KURIER aus: Da wurde ermittelt, ob das Leben seit 2000 für eine Durchschnittsfamilie teurer geworden sei. Und errechnet deren Einkommen auf folgender Basis: „Familie Schneider hat Glück. Da die Omi gerne auf die Kinder aufpasst, gehen sowohl Eva als auch Stefan arbeiten.“
Praktisch; aber: Die meisten Familien, die ich kenne, haben so ein Omi-Glück nicht. Entweder weil sie im Zeitalter erzwungener beruflicher Mobilität mit ihren Familien hunderte Kilometer von Omi weg wohnen, oder weil Omi selbst noch arbeiten muss, oder weil die Eltern, wie heutzutage durchaus üblich, um die 40 waren, als sie ihre Kinder bekamen; Omi also eventuell selbst schon Betreuung braucht. Oder weil Omi findet, dass es eine zart frauenfeindliche Idee ist, davon auszugehen, dass pensionierte Frauen ruhig Tag für Tag honorarfrei auf ihre Enkel aufpassen können. (Ach ja: was macht eigentlich Opi?)
Diese Eltern zahlen, wenn sie wie Eva und Stefan voll arbeiten wollen, pro Kind und Monat 250 bis 300 Euro Betreuungskosten. Die Flötenstunde, den Sportverein und gelegentliche Babysitter nicht eingerechnet. Das Familienleben ist teuer, so ganz omifrei.