Doris Knecht
| 07/08
| Kurier-Kolumne
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Das wird jetzt also die kürzeste Kanzleramtszeit der Zweiten-Republiksgeschichte gewesen sein: Bald muss Alfred Gusenbauer , es wird dieser Tage zur Phrase, das Kanzleramt räumen.
Aber wie hat man sich das konkret vorzustellen? Wie verbringt man den letzten Arbeitstag als Regierungschef? Speziell, wenn man sein Amt nicht nach einem erfüllten Kanzlerleben als Pensionär verlässt oder wenigstens im Triumph nach ein bis zwei vollständigen Legislaturperioden?
Man wird sich wohl kaum in den frühen Morgenstunden ein letztes Mal ins Kanzlerbüro und, mit einer Kanzlerbürokiste unterm Arm, wieder hinaus schleichen... Überreicht man seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Blumen und eine gute Flasche Wein? Kanzlert man noch einmal ein paar Stunden oder ist der ganze letzte Tag dem Abschiednehmen, Bedanken, Trösten, getröstet werden, Schulterntästscheln und Umtrinken gewidmet? Mit wem telefoniert ein Kanzler an seinem letzten Tag? Schreibt er noch einen letzten Brief mit der Unterschrift Alfred Gusenbauer, Bundeskanzler?
Hinterlässt man seinem Nachfolger einen Gruß? Schenkt man ihm die übrig gebliebenen Weinflaschen oder nur die minderedlen oder nimmt man alles mit? Lässt auch ein scheidender Kanzler Cent-Stücke, Aspirin, Deo und den lustigen Button von der Weihnachtsfeier in der Kanzlerschublade zurück? Was behält man sich als Andenken? Macht man noch ein Foto? Schließt man die Tür hinter sich oder lässt man sie offen?
Und: Fährt einen der Chauffeur ein letztes Mal nach Hause oder nimmt man schon die U-Bahn? Wie all die normalen Menschen: von denen man jetzt wieder einer ist. Und vermutlich nun für immer sein wird; baba, Bundeskanzleramt.