30.07.08

Es fängt immer klein an

Doris Knecht | 07/08 | Falter-Kolumne | Freunde | Stadt/Land | Unter Spießern

Man hätte, wenn man ein Haus im Waldviertel besäße, vielleicht auch eine Pumpe, weil das Wasser aus dem eigenen Brunnen käme. Und die Pumpe könnte nicht funktionieren, wenn man am Samstag das Wasser anmachen wollte; nichts, niente. Der Horwath, der sich mit Pumpen auskennt, würde erste Anzeichen von Reue zu verbergen versuchen, dass er damals mit dem Finger auf dieses Haus gezeigt haben würde, wäre das nicht etwas für euch? Jetzt musste er, weil der Lange Kettensäge nicht kann, schon Bäume fällen, dann waren seine Fähigkeiten beim Autoanschieben gefragt, dann seine Kenntnisse des Siphons, jetzt auch noch die Pumpe. Das kann ja noch bravo werden.

Doch wenngleich des Langen Fertigkeiten beim Thujenkillen und bei der Pumpeninstandsetzung stark verfeinerbar sind, ist er überraschend gerne Nebenniederösterreicher und zelebriert das mit launigen Lesungen aus der NÖN und dem regionalen Bezirksjournal. Es werden hier noch Linden und Autos gesegnet, und zärtliche Landwirte mit tiefer Sehnsucht nach Neubeginn suchen ihr Äquvivalent. Der Lange ist vom Landleben wesentlich angetaner als er prophezeit hat, er würde nämlich, hat er prophezeit, das Scheißlandleben scheißmäßig hassen und, nur damit ich mir keine Illusionen machte, alles was ich dort von ihm zu sehen bekommen würde, sei seine auf einem Liegestuhl dahingestreckte Silhouette, er rühre dort keinen Finger. Außer die, die nötig seien, dass einem die Zeitung nicht aufs Gesicht fällt. Und so weiter, der Lange halt. Seit ihm aber aufgefallen ist, dass die Kinder am Land in dem Augenblick verschwinden, in dem man dort die Autotür aufmacht und er nun jedes Wochenende keine Minute am Spielplatz und im Prater verbringen muss, ist er mit dem Landleben versöhnt. Ich würde so weit gehen zu behaupten, der Lange liebt das Landleben, und wenn er die Zeitung ausgelesen hat, greift er nun freiwillig zum Astzwicker. Denn die Möglichkeit, seinen irgendwie angeborenen Zerstörungsdrang, den er bisher nur in Familie, Freundeskreis und Beruf ausleben durfte, auf die Natur auszuweiten, hat sogar über seine natürliche Abscheu gegenüber jeglicher handwerklicher Betätigung gesiegt. Der Astzwicker ist das neue Werkzeug des Langen, und mit ihm fand der Lange sein Mantra: Das muss weg. Der Horwath sagt, er findet, der Lange ist jetzt viel ausgeglichener.

Sorgen macht mir, dass es beim Horwath, der gerade in Imkermontur auf seinem 15er Steyr-Traktor an meinem Gartentor vorbeiknattert, auch mit einem Astzwicker angefangen hat. Oder mit einer Gartenkralle oder derlei. Es fängt immer klein an, und bald wird der Lange seine Bäume mit seinem eigenen Caterpillar umschmeißen, aber das behalte ich jetzt einmal für mich.
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