Doris Knecht
| 07/08
| Kurier-Kolumne
Um 16.12 ruft die K. im Rathaus an und lässt sich mit der Parkaufsicht verbinden, um etwas zu melden. Ob Gefahr im Verzug sei? Hmm: Ein eisernes Fußballtor hat sich aus seiner Verankerung gelöst, und ein paar Kinder haben uns gerade hören lassen, wie es klingt, wenn es umfällt und auf den Betonboden knallt. Es klingt nicht schön, aber schöner, als wäre ein Kind darunter begraben worden. Und es sieht auch besser aus: K. ist Ärztin und hat auf der Unfallchirurgie schon erlebt, wie das aussieht, wenn ein eisernes Fußballtor auf ein kleines Kind fällt.
Also: ja; K. findet schon, dass Gefahr im Verzug ist. Gut, sagt die Dame im Rathaus, dann kommt gleich jemand. Tatsächlich steigen 40 Minuten später sechs kräftige Männer aus einem Feuerwehrauto, begutachten die Sache, heben das Tor heraus und legen es sicher an den Spielplatzrand: Da muss morgen ein städtischer Bautrupp kommen und das wieder einbetonieren. Und wir Mütter, die wir mit Mutter K. am Spielplatz auf dem Bankerl sitzen, finden, dass wir uns das merken. Gefahr im Verzug! Dann geschieht auch etwas.
Leider lässt sich das nicht auf die Hundekot-Problematik anwenden. Weil die Gefahr, dass man in ein Gacki steigt, in Wien zwar allerweil in Verzug, aber halt nicht lebensbedrohlich ist. Immerhin werden Hundehalter auf den neuen Taferl mit dem süßen Hundi jetzt darüber informiert, was es kostet, wenn man dabei erwischt wird, das Trümmerl nicht wegzuräumen. Allerdings ist die Chance, erwischt zu werden, bei bisher 30 Waste Watchers in ganz Wien (150 sollen es nächstes Jahr werden) relativ überschaubar. Wie auch der Preis dafür: 36 Euro. Das ist eine Diskont-Strafe, das tut zu wenig weh: da gehört eine Zahl um die 100 drauf. Sonst geschieht nichts.
Dieses, zugegeben, legitime Zugacken des großen Tölen-Klos (analog zum Aschenbecher: "Nimm den großen!") mit diesen Hundsischildern ist nicht wenig verwirrend. Ich dachte ursprünglich, die 36 Euronen wären ein erhobener Zeigefinger und die Strafe für Diebe, die etwas, ich hau mich ab, im Schilde führen. Was mich vor dem Hintergrund dieser Okkasion schon mit dem Gedanken spielen hat lassen, drei davon zu "kaufen", bevor ich wegrenn.
Aber jetzt kenn ich mich ja aus...danke Ihrer Kolumne. Hingaxi machen, um den Waste Watchern eins, wieder haha!, auszuwischen, ist mir aber eine Spur zu wenig subtil.
Alles Liebe,
DP