Doris Knecht
| 07/08
| Kurier-Kolumne
Die Geschichte von den zwei Vorarlberger Buben am Berg, acht und vierzehn, hat mich gerührt. Eine Heidi-Geschichte, irgendwie. Die beiden Buben waren auf einer Alm im Vorarlberger Kleinwalsertal, Kühe hüten, und bekamen da so furchtbares Heimweh, dass sie sich – einer in Gummistiefeln – ganz allein zu Fuß auf einen elends langen Heimweg über einen 1900 Meter hohen Berg machten.
Und erstens hatte ich als Kind auch immer so Heimweh. Zweitens sind, wie viele andere auch, die eigenen Kinder gerade im Sommerlager (sie wollten unbedingt), und ich habe schon wieder so Heimweh (die Kinder nicht). Drittens, apropos Berg, hirnt man auch ein bisschen darüber, was die beiden Männer, die noch am Nanga Parbat sind, gerade denken: An ihren Freund, den Vater dreier Kinder, der tot am Berg geblieben ist. Dass sie jetzt doch lieber daheim bei ihren Familien wären, wahrscheinlich. Und wie sie das schaffen können. (Es ist mir ja unverständlich, wieso Menschen, die zuhause Kinder und Partner haben, sich freiwillig in derartige Lebensgefahr begeben. Aber, bitte, ich bin keine Bergsteigerin.)
Wandern kann ich dagegen, und daher ich kenne ungefähr die Gegend, in der die beiden Buben unterwegs waren, besser: die im Bregenzerwald, wo sie über den Berg offenbar hinwollten. Das sind wunderschöne Almen mit fettem Grün und glücklichen Kühen. Aber meine Kinder würde ich nicht ganz allein dort oben lassen, jedenfalls nicht, wenn sie acht wären. Und ich würde sie nicht erneut dort hinauf schicken – wo sie offenbar wieder sind – nachdem sie einen Berg bezwangen, um bloß wieder daheim zu sein.
Heimweh ist nämlich furchtbar; das weiß ich zufällig genau.