25.07.08

Kinder machen arm

Doris Knecht | 07/08 | Kurier-Kolumne

Kinderbetreuung wird, soviel ist sicher, ein Wahlkampfthema. Und bevor es uns das BZÖ unmöglich macht, rechtspopulismusfrei über Gratiskindergärten nachzudenken, tun wir das noch schnell.
Eine Wiener Bekannte, in Scheidung lebende, alleinerziehende Mutter von vier Kindern zwischen zwei und zehn, suchte bei der Gemeinde um eine Förderung der Hort- und Kindergartenkosten ihrer Kinder an, die derzeit 1200 Euro im Monat ausmachen würden: Da allerdings die gut 2000 Euro Gehalt des Noch-Gatten, der in der Wohnung nicht mehr gemeldet ist, als Grundlage genommen wird, bekommt die Frau keine Förderung. Es wurde ihr von der Gemeinde Wien geraten, sich doch einfach eine billigere Wohnung zu suchen. 
Grundsätzlich darf Kinderbetreuung etwas kosten: weil sie einen Wert hat. Aber auch die Gesellschaft muss es sich etwas kosten lassen, wenn sie will, dass Frauen schnell wieder in den Arbeitsmarkt einsteigen, dass Alleinerzieherinnen nicht automatisch verarmen oder kinderreiche Familien an oder unter der Armutsgrenze leben. Und wenn ihr die Frühintegration von Migranten-Kindern  ein   Anliegen ist.
 Lauter Argumente für den  Gratis-Kindergarten, mindestens ein Jahr lang.  Wobei das nicht so eine halbe Halbtagsgeschichte sein darf wie  etwa in Vorarlberg, wo die Kinder mittags abgeholt werden müssen. So kann man nicht arbeiten.
Aber je länger die Frauen bei ihren Kindern daheim bleiben, desto schwerer tun sie sich, wieder ins Erwerbsleben einzusteigen. Und je mehr vom Gehalt für die Kinderbetreuung aufgewendet werden muss, desto lieber lässt man das Arbeiten ganz. Mal abgesehen davon, dass, danke SPÖ,  Kinderbetreuung in Österreich steuerlich nicht absetzbar ist: Auch darüber muss man dringend reden.
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