Doris Knecht
| 07/08
| Kurier-Kolumne
Das ist schon ein wenig jämmerlich, dass man heutzutage eine Politikerin loben will, weil sie es wagt, sich mit einer großen Tageszeitung anzulegen. Aber man will: Denn Außenministerin Ursula Plassnik zeigt derzeit der Kronenzeitung gegenüber eine Courage, die man in Zeiten, in denen ein Bundeskanzler und ein neuer SPÖ-Vorsitzender für Hans Dichand Männchen machen, kaum mehr kennt.
Zuerst ließ sie sich nicht bieten, dass Dichand ein vertrauliches Gespräch verstümmelt und verzerrt in seiner Zeitung wiedergab, und antwortete in einem Brief von klirrender Sachlichkeit. (Mit einem tollen rhetorischen Kniff, den man aus dem Harrison-Ford-Polit-Thriller „Das Kartell“ kennt. Sie habe Dichand nämlich bitte keineswegs, wie unterstellt, ein Geschenk mitgebracht. Sondern derer zwei. )
Natürlich tut man derlei nicht ungestraft. Plassnik wird nun mehrmals wöchentlich von der Krone vorgeführt, und kontert auch das wieder auf ungewöhnliche Art: Sie geht nicht in sich, sie sagt nicht, dass sie es ja gar nicht so gemeint hat, sie wirft sich nicht vor der Krone in den Staub und verspricht nicht, wieder lieb zu sein. Sie geht in die Offensive.
Denn völlig konträr zur Lex Gusenmann findet Plassnik nicht, dass die Krone dem Volk einfach scharf aufs Maul schaue (was eine Partei, wie die SPÖ meint, zu berücksichtigen habe). Sondern dass die Krone den Maulinhalt des Volkes kräftig vorkaue und scharf mit Anti-EU-Entzym einspeichle. Was sie durchaus kritikabel findet: Sie machte in der „Zib 2“ die Kronenzeitung für die wachsende EU-Skepsis der Österreicher verantwortlich.
Das wird sie natürlich büßen. Kurzfristig: Aber auf lange Sicht lebt man mit Rückgrat besser als ohne.