Doris Knecht
| 07/08
| Kurier-Kolumne
Wir schreiben das Jahr des Spekulanten: soviel Spekulation war schon lang nicht mehr.
Der Spekulant, laut ethymologischem Wörterbuch (DTV) einer, der „mit Risiko nach Gewinn strebt“, spekuliert auf Treibstoffpreise, auf Nahrungsmittelpreise, auf überrannte Fussball-Fanzonen, auf Neuwahlen. Er spekuliert auf gute Freunde in Massenmedien (vgl. dazu: den SPÖ-Brief an die Krone) und Stadtverwaltungen (z.B. das Pratervorplatz-Debakel). Und in gar nicht so seltenen Fällen wird auch auf Wunder spekuliert; etwa: das Fussball-Wunder von Wien. (Siehe dazu auch: die gesamte BZÖ-Historie, den BAWAG-Skandal, die Schulreform und jede Pensionsreform seit ca. 1993).
Es exisitiert im ethymologischen Wörterbuch auch eine philosophische Spekulanten-Definition: „Wer über metaphysische Dinge nachdenkt, Grübler“, aber die trifft auf den modernen Spekulierenden eher weniger zu. Es sei denn, mit „metaphysische Dinge“ sind auch jene zukünftigen Rohstoffpreise gemeint, auf die gewettet wird, oder eventuell die von den Speklanten in den eigenen Sack gegrübelte Unschuldigkeit am Hunger-Elend von Millionen und an weltweiten Energiekrisen.
Und, allerdings: Hinter der Spekulation auf Neuwahlen, wie die SPÖ sie derzeit vorführt, muss unglaublich viel metaphysische Narretei stecken oder vielleicht eine spezielle Form von vergrübelter Selbstüberschätzungsmetaphysik. Anders kann man sich nicht erklären, wie sich eine derart beieinandere Partei durch Neuwahlen Zugewinne zu erhoffen träumt. Das Wahlvolk träumt mit: Dass das Koalitionselend endlich zu einem vernünftigen Ende komme. Aber das ist natürlich reine Spekulation.
Man soll uns doch bitte erlösen von laufenden Ankündigungen, Umkündigungen und Aufkündigungen - ich will jetzt wirklich Neuwahlen!