Doris Knecht
| 07/08
| Kurier-Kolumne
Die EURO 08 ist Geschichte: Es ist vorbei. Die Riesenleinwände werden abgebaut, die Fan-Gehege verschwinden; jetzt wird aufgeräumt, gezählt, gerechnet, Bilanz gezogen. Keine verzückten Fußballnarren mehr, keine nächtlichen Schlachtgesänge, fertig Autokorsi. Die patriotischen Perücken landen im Müll oder werden, die Hoffnung lebt, im Keller für die WM aufbewahrt.
Das Beflaggen von Autos ist wieder Staatskarossen vorbehalten, auch das Gewaltmonopol ist zurück beim Staat: Die Diktatur der Securities hat ein Ende; man muss jetzt wieder der Polizei angehören, um Leute am Benützen öffentlicher Wege hindern, Leute an der Ringstraße durchsuchen oder Volksschülern auf Wienbesuch erbarmungslos die Getränkeflaschen abnehmen zu dürfen. (Wie das letzte Woche an einem Vormittag einer Klasse aus Tadten im Burgenland geschah, am Eingang der praktisch menschenleeren Fanzone: Die Kinder legten die Flaschen also direkt beim Eingang an einen Baum. Als man zurück kam, hatte die Müllabfuhr sie weggeputzt. Die Security hat nix gesehen.) Die ausländischen Polizisten sind auch wieder daheim, und man muss nicht mehr über die Frage grübeln, ob einen die Carabiniere, die das Südstadt-Stadion bewachten, verhaften dürften, beträte man es.
Und die Panini-Alben der Kinder sind endlich voll, gelobt seien die Leserinnen und Leser. (Es wird uns also nicht gehen wie Leser Peter W. der einst erst nach sechs Jahren sein letztes „Großwildjagd“-Album-Pickerl ergatterte: Die Nr. 50, den Orang Utan. Er hatte das Album noch.)
Die EURO ist vorbei, servus, baba. Es war ein großes Fest. Wie sehr es uns gefreut haben wird, sehen wir dann erst.