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| 08/08
Mit Fanfaren hat der ORF den Start der vierten Staffel von Dr. House für Donnerstag, 21.35 ankündigt und dann stattdessen Fussball gezeigt. Weil das ist definitv viel wichtiger. Das ist ja so existenziell, dass Fussballfans nicht nur jedes Match bis zur letzen Minute sehen: Sie haben auch, egal ob der Start von Dr. House bereits um 35 Minuten verschoben wurde, ein elementares Recht darauf, den Mannschaften endlos bei Jubel und Zerknirschung und dann dem üblichen „Wie-geht-es-ihnen-jetzt?“ Interview mit dem unterlegenen Trainer beizuwohnen; die Antwort ist schließlich immer wieder verblüffend. Es ist weiters unerlässlich, danach noch minutenlang Impressionen aus den Stadien zu zeigen, als wäre man davor nicht schon drei Stunden lang bis zum Abwinken mit Stadion-Impressionen bedient worden.
Aber wissen Sie was, es soll Leute geben, die haben Fussball jetzt aber so satt. Und Sport überhaupt. Die haben die EURO und Olympia resigniert zur Kenntnis genommen, ist halt so, muss man durch. Aber jetzt wollen die keinen Fussball und keinen Sport und keine von Vereins- und Landes-Insignien entstellten Fans mehr sehen, und Sport-Kommentare können ihnen jetzt lange gestohlen bleiben.
Und diese Leute sind dem ORF komplett wurscht. Diese Leute sollen warten. Diese Leute können ja inzwischen umschalten und, wenn sie das ertragen können, von einem flüchtlingsfarbenen Landeshauptmann erklärt bekommen, wie man Flüchtlinge effizient aus dem Land wirft (was z. B. ich nicht mehr ertrage). Diese Leute sollen sich wachhalten und aussharren oder halt ausschalten. Fussballsfans sind nämlich sowieso viel wichtiger.
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| 08/08
| Kurier-Kolumne
Habe die Ehre, ich bin wieder im Dienst. Ein paar letzte Tage noch im Waldviertel, das berühmt ist für seine fetten Wälder, seine idyllischen Hügel, seinen herrlichen Truppenübungsplatz, seine romantischen Flussläufe und nicht für seinen ausgezeichneten Handyempfang. Besser: Das Waldviertel ist weithin berühmt für überaus lückenhaften Handyempfang, dafür, dass man hier über diesen und dort über jenen Anbieter zu empfangen ist und dazwischen nicht. Eigentlich ist praktisch das gesamte Waldviertel schönes Funkloch.
Weshalb sich viele Wiener gerne hier aufhalten, denn hier sind sie, tja, leider unerreichbar. Freilich gibt es auch im Waldviertel Winkel und Hügel, wo das Handy auch einmal ein bisschen funktioniert, zum Beispiel, wenn man es in einem bestimmten Winkel aus einem bestimmten Fenster hält. Aber das braucht nicht jeder wissen, und wenn man gescheit ist, benützt man das Handy genau dort nicht. Ist eh bekannt, dass Menschen, die sich im erholungsweise Waldviertel befinden, als vorübergehend verschollen zu gelten haben; und auch das ist schön am Waldviertel: Man sommerfrischt hier wie früher, im Viertelanschluss-Zeitalter, als man aus dem Urlaub höchstens via Ansichtskarte einseitigen Kontakt zur Heimat aufnahm.
Soeben wurde die neunte Weltmeisterschaft im Handyweitwerfen von den Esten gewonnen: In Estland diesmal, üblicherweise wirft man in Finnland. Es böte sich an, den nächstjährigen Bewerb im Waldviertel stattfinden zu lassen. Erstens sieht es hier an manchen Stellen überaus finnisch aus. Zweitens macht es im Waldviertel unheimlich Sinn, sein Handy wegzuwerfen: Man hat ja eh keinen Empfang.

Never get lost in Barcelona
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| 08/08
| Falter-Kolumne
Aber wie uns jetzt plötzlich der Fink erschienen ist, das war schon. Spooky war das. Andererseits: Mit dem Fink ist es so. Wenn ich dem Fink die Waldviertler Adresse gesagt hätte, hätte er sich die auf keinen Fall gemerkt. Oder er hätte die Adresse, wenn er sie notiert hätte, verschmissen. Zuverlässig hätte er sich, wenn er die Adresse doch noch gehabt hätte, auf dem Weg hierher verfahren, weil der Fink verfährt sich überall, auf der ganzen Welt haben wir uns mit dem Fink schon verfahren, in Sizilien, in Vietnam, im Bregenzerwald und zwischen Wien und Wiesen. Der Fink verfährt sich, wurscht wo. Und jetzt hatte der Fink irgendwo im Waldviertel einen Termin, hat sich auf dem Weg dorthin verfahren, und sieht plötzlich ein Ortsschild, einen Bach, eine Brücke und denkt sich: Hier, hier ist etwas. Der Fink fährt weiter, da steht unser Auto am Straßenrand und dann, wie er nach links in die Bäume hinein schaut, sieht er weit hinten den Langen mit verschränkten Armen hinter einem Schremser sitzen, und darüber sinnen, was er alles umhauen könnte, jetzt wo ihm der Breuß den Umgang mit der Motorsäge beigebracht hat. Der Lange blickt dem Fink geradewegs in die Augen und der Fink dem Langen. Der Fink bremst seinen Porsche ab, siebziger Jahre, kackbraun, jault ihn an den Straßenrand, springt heraus, brüllt wie ein Stier und ist da.
Später, nachdem er noch einmal weggefahren ist und seinen Termin erledigt hat, sitzt der Fink auch hinter einem Schremser unter dem Baum. Die Horwaths kommen mit dem Polz herüber, sie haben gerade ihren Bienen den Honig geraubt und geschleudert, und niemand wurde gestochen. Die Breußes sind auch da. Weitere Gäste vom Horwath schauen vorbei und setzen sich dazu; es ist kühl, aber sonnig, wir sitzen um den Tisch und trinken Wein und Bier und essen Speckbrote und die Kinder hängen verkehrt von an den Bäumen, und der Fink verwirft schlagartig seine schon sehr weit gediegenen Pläne, sich im Bregenzerwald eine Almhütte zuzulegen. Morgen kommt er und schaut sich ein Haus am Ortsrand an. Weil etwas hat ihn geradewegs hierher geschickt: Und der Fink kann zwar keine Landkarten lesen, aber er einen göttlichen Wink erkennt der Fink, wenn er ihm so vor der Nase herumwedelt; SO nämlich.
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| 08/08
| Falter-Kolumne
Weil wir uns letztes Mal über Sofakissen unterhalten haben: Erstens waren wir in der Zwischenzeit im Sofakissen-Paradis zum Essen eingeladen; so viele Sofakissen habe ich in meinem Leben noch nicht an einem Ort gesehen. Sehr kuschelig. Zweitens lese ich, wenn ich nicht gerade über Inneneinrichtung nachdenke, John Cheevers Geschichte der Wapshots, und wie immer, wenn einen gerade was beschäftigt, findet man in der aktuellen Literatur-Lektüre mannigfache Anknüpfungspunkte ans eigene Elend. Cheever beschreibt in seinem Roman das Leben einer Familie im Massachusetts der Mitte des letzten Jahrhunderts; einmal geht der Vater mit seinem Sohn fischen, sie fahren weit hinauf nach Kanada in ein heruntergekommenes Anglercamp. Wo dem Sohn, während er auf einer schmutzigen Matratze wachliegt, über die „die Abwesenheit der Frauen“ nachdenkt und wie sie die Möbel verbrannt, die Blechdosen vergraben und die Fußböden gescheuert hätten, wie sie Lampenzylinder gereinigt und in einen Glaspantoffel (oder ein anderes entzückendes antikes Stück) Veilchen- und Weißwurzelsträuße gestellt hätten. (...). Unter ihrer Herrschaft würden sich vom Camp bis zum See Rasenflächen erstrecken, hinter dem Haus würden Kräuter und Salatpflanzen sprießen, und es gäbe Vorhänge und Teppiche, chemische Toiletten und Uhren mit Glockenspiel“.
Und so ist es auch hier, wenngleich der Begriff „Frauen“ nun mehr als Sinnbild jener Personen gelesen werden darf, die sich in Partnerschaften und Familien darum kümmert, dass man nicht am Estrich schlafen muss und den Kaffee aus einem leeren Marmeladeglas schlürfen. Bei den Horwaths zum Beispiel ist es der Horwath, jedenfalls bin ich mir hundertprozentig sicher, dass die gesticken Zierborten im Horwathschen Geschirrschrank, die penibel mit kleinen Kupfer-Rundkopfnägeln an den Kanten der Regalbretter befestigt sind, nicht von der Horwathin dort angenagelt wurden. Und die Horwathin darf die großen ebay-Pakete, die regelmäßig bei den Horwaths abgeben werden, zwar aufmachen und unter ah und oh eine hübsche antike Tasse nach der anderen aus dem Zeitungspapier wickeln, aber gesucht und bestellt hat es der Horwath. Bei uns bin es halt ich, davor war es, was der Wohnung des Langen bei meinem ehedemen Erstbetritt deutlich anzusehen war, des Langen Mutter, die noch jahrelang, wenn ich einen Augenblick nicht hinsah, die dicken blauen Vorhänge, die ich demontiert hatte, wieder aufhing. Es könnte ja jemand hereinsehen. Schwimu, schau aussi, wir sind im letzten Stock und haben kein Gegenüber. Trotzdem: Irgendjemand muss sich schließlich darum kümmern, dass die Ziviliation nicht zu einem dreckigen Anglercamp verkommt.
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| 08/08
| Falter-Kolumne
Nachdem der Lange auch eine Tonne fauliger Klaräpfel aufgehoben hat, drängen sich ihm spontan ein paar Fragen auf. Brauchen wir wirklich so viele Apfelbäume? Oder darf ich die umhauen? Vielleicht dass wir statt dessen ein paar eilige, fruchtlose Schattenbäume pflanzen? Aber darf ich dann zumindest mit dem Astzwicker alle äpfeltragenden Äste abzwicken? Also alle?
Ja, nein, nein, nein und nein; obwohl ich dich wirklich nicht frustrieren möchte, Honey, denn ich bin über dein Engagement total erfreut, ehrlich.
Obwohl es, apropos Engagement, einige unschöne Szenen in der, so der Lange, Pipifax-Abteilung von Ikea gab. Das drückt der Lange einfach nicht durch. Da zuckt er aus. Das ist immer so. Wir schaffen es relativ geräuschlos und sozial unauffällig durch den oberen Stock, ich mit einer Einkaufsliste, der Lange mit schlechter Laune und einem gelben Ikea-Sack über der Schulter. Aber unten bei den Vorratsgläsern und/oder Sofakissen dreht der Lange regelmäßig durch.
WOZUBRAUCHENWIRDENSCHEISS! Bedauerlicherweise habe ich dann auch schon nicht mehr die Nerven, um sehr gelassen folgenden Text vorzutragen: Also, Langer, wenn du mit einem Buch flach auf der Couch lägst, denkstest du dir: Wärs nicht schön, ich hätt ein Kissen, ein Kissen wär jetzt wirklich fein. Das liegt und liest sich nicht gut, so ohne Kissen. Und eine Leselampe wär auch nicht schlecht. Und genau das ist dir noch nie passiert. Noch nie bist du im Dunkeln flach auf einer Couch gelegen und musstest über Mangelwirtschaft nachdenken, weil warum. Jemand hat sich gedacht: Wärs nicht schön, man hätt ein Leselicht und ein Kissen, wenn man mit einem Buch auf dem Sofa liegt. Jemand ist in eine Scheißpipifaxabteilung gefahren, hat vor den Leselampen und den Sofakissen hin und her erwogen, hat sich dann ohne Geschrei für welche entschieden, hat sie ins Wagerl gelegt und zur Kassa gefahren. Ist weiters dort angestanden, ohne der Frau vor sich das Wagerl mit voller Absicht in die Kniekehlen zu rammen oder die Kassierien anzupflaumen, hat das bezahlt, hat das in den Kofferraum getan und heimgefahren, hat das aufs Sofa gelegt und überm Sofa montiert, und bald darauf musste sich ein Langer keinen einzigen Gedanken darüber machen, wie schön es wäre, wenn er zum Lesen ein Licht und Kissen hätte. Weil er hatte es. Das selbe gilt für Vorratsgläser, Servietten, Schmortöpfe, Besteckkästen, Kindermatratzen, Lattenroste, Spannleintücher und Duschvorhänge: Es ist nicht schlecht, wenn sich jemand überlegt hat, dass es schön wäre, wenn sie da wäre, wenn man sie braucht.
Stattdessen brülle ich: Mensch, Langer, du Depp, reiß dich ein bisschen zusammen, wir sind eh gleich durch! Und sei froh, dass du dich nur darum kümmern musst, dass du am Land auch sicher deinen feschen kleinen Übungsverstärker parat hast, was ja der zentrale fack Einrichtungsgegenstand für ein Familien-Wochenendhaus ist! Verdammt!
An der Kassa kann ich gerade noch das Wagerl abfangen, das der Lange der Frau vor uns in die Kniekehlen rammen will, übernehme die gesamte Kommunikation mit der Kassiererin und ordne das Gekaufte im Auto so an, dass ich schlussendlich doch noch mitfahren kann, was der Lange eigentlich nicht mehr vorgesehen hat. Du wolltest schließlich unbedingt die unnedigen Lattenroste für die Kinderbetten, jetzt schau, wie du heimkommst. Jaja, geh weg, ich mach das schon.
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| 08/08
| Kurier-Kolumne
Weil’s hier am Samstag ums Internet ging, und wofür alles man es heutzutage braucht: Bestellen Sie doch einmal übers Internet Karten für die Staatsoper oder das Burgtheater. Und sehen Sie: Kakanien waltet froh und ungebrochen auch im Internetzeitalter.
Trägt man nämlich auf einer der Bundestheater-Website seine Benutzerdaten ein, wird man aufgefordert, seinen Titel anzugeben: Und zwar, nicht so, dass man hinein schreibt: Dr. oder Mag., was schon unnötig genug wäre. Nein, man hat die Wahl zwischen 215 Titel-Möglichkeiten. Ein kleiner Auszug: Abg. z. NR Dr., Abgeordneter A.D., Amtsrat, ARCH. ING, ARCH. MAG, ARCH. PROF über Bakk.rer.soc.oec, Botschaftsrätin, Bundesminister A.D., DIPL.DOLM., DIPL.VW., Hofrat, Honorarkonsul, Intendant , Kammersänger, Landeshauptmann-STV, Lord, Senator hc. Prof. Dr. Dr., Univ.-Lektor Prof. MMag , Vizebürgermeister. Vizebürgermeisterin nicht, überhaupt keine weiblichen Titel; aber wenn man sonst wissen will, was für Titel in Österreich (männer)möglich sind, braucht man nur da hineinstaunen.
In anderen Ländern beweist ein Titel , dass man ein Studium abgeschlossen hat, aber man trägt ihn nicht ständig vor sich her.Diesbezüglich verwundert zeigte sich kürzlich auch die Süddeutsche über den Professorentitel des unstudierten Gesundheitsexperten Hademar Bankhofer: Uns gelernte Wiener Hofräte und Hofrätinnen wundert derlei nicht.
Apropos Oper und Verwunderung: Letzte Woche fand sich im KURIER unter einem Foto des engagiert aus dem Bauch blutenden Don Giovanni folgende Unterschrift: „Erwin Schrott als Leporello (links) und Christopher Maltman als schwer verwunderter Don Giovanni“. Ja, hat der denn keinen Titel?
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| 08/08
| Schuld und Sühne
Man fühlt sich furchtbar alt, wenn man derlei erzählt: Als ich mit dem Journalismus anfing, entstanden Artikel an Schreibmaschinen, wurden von Erfasserinnen in komplizierte Maschinen getippt und auf Fotopapier belichtet, kamen in langen Streifen aus weiteren komplizierten Maschinen, wurden mit dem Stanleymesser ausgeschnitten und mit Heißwachs auf Milimeterpapier geklebt. Wenn ein Artikel nicht auf den vorgesehen Platz passte und es schnell gehen mussten, kürzten wir auch einmal mit der Nagelschere einzelne Wörter aus Texten heraus. Recherchieren war Lauf-, Telefonier- und Wühlarbeit: Es gab kein Internet und kein Google. Jede Information musste vor Ort oder in Archiven, Bibliotheken und Nachschlagewerken recherchiert werden, und wenn man dringend Unterlagen brauchte, waren Fahrradkuriere die schnellste Möglichkeit. Kann man sich heute alles kaum mehr vorstellen.
Dabei ist es noch gar nicht so lange her: fünfzehn, zwanzig Jahre. Wer heute ohne Computer und Internet existieren will, tut sich schwer; und es wird ihm schwer gemacht. Flüge buchen, Formulare bestellen, Veranstaltungstickets kaufen, Bankgeschäfte erledigen, Waren bestellen, Zugtickets kaufen: Macht man heute alles übers Netz.
Leser Andreas H. berichtete mir kürzlich, wie er im Internet erstmals und voller Stolz erfolgreich ein ÖBB-Ticket erwarb - jaaa! die neue Zeit! - , aber leider verdrängt hatte, dass er keinen funktionierenden Drucker besaß. Er notierte dann die wichtigsten Angaben mit Kuli auf einen Zettel, und es sei, schrieb H., viel Überzeugungsarbeit nötig gewesen, um die Schaffner von seinem Techniknotstand zu überzeugen. Immerhin: Es gelang; aber diese Zeit wird auch bald vorbei sein.
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| 08/08
| Kurier-Kolumne
Die Waldviertlinnen und Waldviertler haben meine Funkloch-Kolumne mit beträchtlicher Humorlosigkeit aufgenommen. Also, sie waren überaus unerfreut und schickten mir zahlreich Mails, die mehr als einmal die Aufforderung enthielten, ich solle dem Waldviertel doch fernbleiben, wenn es mir dort an Empfang mangelte, beziehungsweise: überhaupt.
Aber erstens: Kommt gar nicht in Frage; bin ich doch erst kürzlich glückliche Nebenwaldviertlerin geworden. Ihr habt mich am Hals, Waldviertler, schickt’s euch drein. Zweitens: Noch einmal nein, weil ich ja am Waldviertel gerade auch den punktuellen Empfangsmangel schätze, der, das sage ich mutig noch einmal, dort, wo ich mich gerne aufhalte und mit meinem Anbieternetz weitgehend lückenlos ist. Und daran werde ich zuverlässig nichts ändern; denn das finde ich („ich“ im Unterschied zu den Vollzeit-Waldviertlern) nämlich genau gut. Es ist aber sicher so, dass, wie erzürnte Waldviertlerinnen und Waldviertler klarstellen, an zahllosen Gegenden in einer großen Auswahl von Netzen tadelloser, ja brillianter Handyempfang herrscht, und der sei den Waldviertlern von Herzen vergönnt.
Nicht übers Ohr sondern via Sehnerv empfing Leserin Elfriede Sch. bei der Lektüre des KURIER am Donnerstag folgende Botschaft: „Die deutsche Fluggesellschaft Lufthansa erhöht mit 1. September die Gebühren für Übergebäck“. Allerdings zweifelt Frau Sch. daran, dass es der Lufthansa große finanzielle Vorteile verschaffen wird, wenn sie die Ticketpreise jener Passagiere empfindlich erhöht, die mit mehr als 20 Kilo Semmeln, Vollkornweckerl oder Salzstangerl in fremde Länder fliegen. Dieser Expertise schließe ich mich vollumfänglich an.
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| 08/08
| Kurier-Kolumne
Jetzt kommt es natürlich darauf an, was man, also was der Wiener Bürgermeister Michael Häupl unter „Schulpflicht“ versteht, wenn er sie jetzt für Fünfjährige vorschlägt: Denn den Verdacht, seine Idee sei eine Reaktion auf den Wunsch praktisch aller anderen Parteien nach Gratiskindergärten , wedelt der Bürgermeister gleich entschieden ab. Aber wo denn!
Ja, wo denn. Besser: Wie denn. Was also versteht der Bürgermeister unter einer Schulplficht ab fünf? Möchte er, dass nun schon fünfjährige Kinder lesen, schreiben und rechnen lernen, viele Stunden am Stück still in Schulbänken sitzen, noch ein bisschen früher mit der Haltungsschädenentwicklung beginnen, sich noch ein bisschen eher zu wenig bewegen, Hausaufgaben machen müssen, Noten bekommen und noch etwas bälder das freie, kreative Spielen verlernen? Wenn er das meint, ist es, mit Verlaub, keine gute Idee. Was heißt: eine schlechte.
Wenn Häupl unter der Fünf-Jährigen-Schulplicht allerdings ein von hervorragend ausgebildeten und anständig bezahlten Pädagoginnen und Pädagogen begleitetes verpflichtendes Vorschuljahr versteht, in dem weder Pauken noch Verwahrung und Versorgung im Vordergrund stehen, sondern individuelle Förderung jedes einzelnen Kindes auf spielerischer Basis: Dann ist es ein gute Idee, eine sehr gute. Vor allem, weil alle, auch Familien mit niedrigem Einkommen und Alleinerzieherinnen, davon profitieren.
Allerdings kann der Bürgermeister Verdacht abwedeln wie er will: Die Sache riecht arg nach dem Versuch, Kindergartenkosten (Zuständigkeit: Länder) in Schulkosten (Zuständigkeit: Bund) zu verzaubern. Simsalabim! Immerhin: Nun wollen es alle. Jetzt kommt es natürlich darauf an, wer es bezahlt.

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