Doris Knecht
| 09/08
| Kurier-Kolumne
Also, KURIER-Ess-Kritiker Florian Holzer sagt: Die besten Wachteleier bekommt man in Wien am Naschmarkt beim „Gockelhahn“ und beim Meinl am Graben. Damit das geklärt ist, bevor wir uns hier mit Zubereitungsmöglichkeiten des dieser Tage meiststrapazierte Lebensmittels beschäftigen.
Wobei vordringlich festgestellt werden soll, dass dem Wachtelei enormes Unrecht geschieht: Ein so luxuriöses Luxusgut ist es nun auch wieder nicht, dass es als Symbol für die Merkwürdigkeit unausgereifter Steuerpläne taugte. Natürlich würden die Wachteleier, wenn man sie jetzt zum Beispiel zur Herstellung einer Eierspeis für acht Personen einzusetzen trachtete, auf dem Kassenzettel hübsch etwas hermachen: Aber wer macht so etwas? Weil sechs bis acht der Mini-Eier müsste man dann pro Person wohl etwa verquirlen, macht 48 bis 64 Eier, macht an die 20 Euro für eine an sich doch eher schlichte Speise, die sich mit Hendleiern für etwa fünf Euro herstellen lässt.
Man muss das Wachtelei aber singulär betrachten, und es nicht als Hauptzutat, sondern sozusagen als menütechnisches EI-Tüpfelchen verstehen. Es lässt sich mit einem Wachtelei zum Beispiel eine Spinatsuppe aufhübschen; es lassen sich damit große Champignons füllen, es harmoniert mit grünen und Spargel-Salaten, es nimmt sich, als Mini-Spiegelei, auf Kartoffelpüree oder Toast recht elegant aus und Heinz Hanner vom „Hanner“hat es in „Frisch gekocht“ einmal pochiert in einer Pilzsud-Reduktion serviert; das wollte man gleich auslöffeln.
Denn in seiner Einzelheit ist das Wachtelei keineswegs obszön luxuriös: 30 Cent kostet eins beim „Gockelhahn“, also etwa gleichviel wie eine günstige Schale Katzenfutter. Und das ist ja wohl... genau.