Doris Knecht
| 09/08
| Kurier-Kolumne
Wo gibt es in Österreich Bären? Nur weil ich eben gelesen habe, dass der russische Präsident Putin mit einem gezielten Schuss aus einem Betäubungsgewehr ein Filmteam vor dem sicheren Verschlungenwerden durch einen Amur-Tiger rettete. Das will man doch gleich auf den aktuellen Wahlkampf umgelegt sehen.
Gewaltbereite Tiere und andere Bedrohungsszenarien, die nach beherztem Eingreifen verlangen, müssen alsoher, dazu Filmteams, und natürlich gut trainierte Heldinnen und Helden.Wobei der Bär leider bereits besetzt ist. Schließlich gibt es unter den wahlwerbenden Kandidaten einen Bärental-Besitzer, dem ist sozusagen schon das „Kannst du dich nicht mehr wehren/werf ich mich vor den Bären!“-Logo auf dem Satin-Revers eingestickt.
Alternative Situationen verlangen allerdings nach perfekter Vorbereitung, denn wenn z.B. der blaue Spitzenkandidat sich zur Rettung eines braven, aber unaufmerksamen Wiener Muatterls einem türkischen LKW entgegenstemmt, sollte dieser unbedingt punktgenau bremsen. Dahingestellt sei, ob es Sinn macht, die Zupackqualitäten des SPÖ-Chefs zu beweisen, indem man ihn mit der Parole „Genug gestritten!“ in eine Bierzeltrauferei schickt. Beim Grünen-Kandidat wäre dagegen, im rechtssicheren Raum natürlich, eine spektakuläre Kükenbefreiungssaktion (hoher Flauschigkeitsfaktor!) denkbar.
Der ÖVP-Kandidat könnte zufällig dabei gefilmt werden, wie er eine verzweifelte Familie aus einem brennenden Haus (Symbol für Teuerung!) rettet. Und sieht man nicht die liberale Spitzenkandidatin schon vor sich, wie sie marodierende Bulldoggen mit Blitzen aus ihren Augen paralysiert?
Auf Capes wird übrigens verzichtet. Putin hatte auch keins an.