Doris Knecht
| 09/08
| Kurier-Kolumne
Um ehrlich zu sein: Zum ersten Mal in meinem aktiven Wählerleben habe ich ernstlich erwogen, nicht zur Wahl zu gehen. Warum? Weil mir vorkommt, dass ich, wie der Rest Österreichs, eben erst gewählt habe. Und weil mir scheint, dass auf der Basis dieses Wählerwillens überaus lustlos regiert und auch darauf ziemlich zügig gepfiffen wurde. Und jetzt werde ich erneut zu einer Wahl geschickt, nach der vielleicht Koalitionen drohen, die ich wesentlich weniger begrüßen würde, als die, die jetzt das Handtuch geworfen hat. Ich habe ernsthaft überlegt, diesmal nicht zu wählen.
Der Freundeskreis, in dem aktuell vor allem die Frage „Was wirst du wählen?“ diskutiert wird, nimmt diese Überlegung mit beissendem Unmut auf. Geht’s noch! Wählen muss man! Wer nicht wählt, gefährdet die Demokratie!
Ja, ich weiß. Ich denke aber auch, dass vorsätzliche Wahlverweigerung nicht zwingend ein undemokratischer Akt ist, sondern schon auch eine legitime Unmutsäußerung darüber, wie mit meiner letzten Stimme umgegangen wurde. Die Freunde sagen: Dann gehe hin und wähle nichts! Könnte ich, aber ungültige Stimmen werden halt gerne als Dodelstimmen abgetan: zu doof, ein Kreuz zu machen. Während eine niedrige Wahlbeteiligung die Politik verlässlich alarmiert.
Mich allerdings ebenfalls; weil man sich eben nicht sicher sein kann, ob die Leute durch ihr Fernbleiben a) ihre Politikverdrossenheit ausdrücken oder b) ihr grundsätzliches Desinteresse an politischen Vorgängen oder c) ihre reine Faulheit. Und weil ich mich der Möglichkeiten b) und c) auf gar keinen Fall verdächtig machen will, werde ich auch heuer wieder wählen; trotz allem. Was? www.wahlkabine.at wirds mir sagen.