2.10.08

Ab und an, hie und da

Doris Knecht | 10/08 | Kurier-Kolumne

Aus den Briefen meiner Leserinnen und Leser: Man tadelt mich wegen Gebrauchs falscher oder ungeläufiger Wörter. Aktuell dem Wort nichtsdestotrotz, dessen gestrige Verwendung Leserin Barbara O. in einem nichtsdestotrotz sehr netten Mail  anprangert. Das Wort sei nicht schön; dem pflichte ich bei. Nichtsdestoweniger sei zwar, schreibt Frau O., auch nicht schön, dafür aber korrekt, denn es finde sich  im Deutschen Wörterbuch, im Gegensatz zu nichtsdestotrotz,  wodurch Frau O. insinuiert, dass nichtsdestotrotz praktisch nicht existiere.
Dem nun muss ich widersprechen, denn, Beweismittel A, der „Duden, Die deutsche Rechtschreibung“, kennt nichtsdestotrotz wohl. Er stellt nur ein  „ugs.“ bei, das nicht das Missfallen der Duden-Autoren ausdrücken soll, sondern „umgangssprachlich“ bedeutet. Das wäre geklärt.
Unklar ist hingegen, was Leser Robert H. an ab und an  stört. Ob das  Vorarlbergerisch sei; er habe das bei seinen Ländle-Aufenthalten nie gehört,  aber Wienerisch sei das gewiss nicht, „da heißt es eindeutig ab und zu. Was sagen Sie als quasi Integrierte dazu?“ Also ich sage: Sie! Was meinen Sie mit „quasi integriert“? Ist das beleidigend gemeint?  Und ich sage: Verehrter Herr H., es kribbelt in mir der göttliche Auftrag, Ihren Wortschatz zu vergrößern. Also:  ab und an ist (Beweismittel B: „Duden, Sinn- und sachverwandte Wörter“)  gebräuchlich. Weiters können Sie verwenden: hin und wieder, zuweilen, mitunter, manchmal, gelegentlich,von Zeit zu Zeit, fallweise, hie und da, mitunter. Bisweilen passt auch bisweilen.
Peter K. wiederum schickt ein langes Gedicht, das mit den Worten „Unfassbar, wirklich wahr, du bist tatsächlich 40 Jahr!“ beginnt. Ich glaube aber, der hat sich vermailt.
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» 3.10.08 12:11
Norbert

Liebe Frau Knecht!

Gerade die Tatsache, dass der Duden das nichtexistente Wort "nichtsdestotrotz" anführt, disqualifiziert ihn.

Es gibt zwei Wörtern, nämlich "nichtsdestoweniger" und "trotzdem", aus denen an irgendeinem Biertisch vor längerer Zeit ein B'soffener mit Hirnfadesse das Monster "nichtsdesto-trotz" geboren hat.

Wer einen Funken Sprachgefühl hat, merkt doch sofort, dass dieses Wort in sich widersprüchlich ist, weil "desto" eine hinweisende Variante von "um so" ist und daher einen nachfolgenden Komparativ, wie z.B. "weniger" verlangt. Was es NICHT verlangt ist ein "trotz".

Trotzdem mag ich das meiste, was Sie schreiben. Nichtsdestoweniger wäre es angebracht, über manchen schlamperten Sprachgebrauch, der seinen Weg in den offensichtlich leicht korrumpierbaren Duden gefunden hat, nachzudenken.

Liebe Grüße, NH

» 4.10.08 15:53

wie unkreativ muss man sein, sich an dem wörterbuch fest zu halten und schon den duden abzulehnen, wenn er ein wort aufnimmt, welches man im wörterbuch nicht findet. glücklicherweise ändert sich sprache. mir fällt dazu nur jener kabarettist ein, dessen name mir leider entfallen ist, der in schillers glocke alle nicht-deutschen worte durch deutsche ersetzt hat. tja, engstirnigkeit beginnt beim sprachgebrauch …

» 4.10.08 21:26
carolina

lieber norbert,
a) welches nachschlagewerk würden sie statt des "offensichtlich leicht korrumpierbaren dudens" empfehlen?
b) ein häufig gebrauchtes umgangssprachliches wort als "nichtexistent" zu bezeichnen, bloß weil es ihnen vielleicht lieber wäre, es existierte nicht, finde ich doch etwas übertrieben.
viele grüße,
carolina

» 8.10.08 20:51
Norbert

Kann den beiden Damen Margot und Carolina nur zur Antwort geben: Auch Sprache hat Logik. Das heißt nicht, dass Sprache unveränderlich wäre. Aber "nichtsdestotrotz" ist ein Biertischscherz wider jegliche Sprachlogik (was ich ja auch ausgeführt habe, aber darauf ist komischerweise niemand eingegangen; zu schwierig?).

Wenn Sie DAS nicht merken -- na, dann sollten Sie anderen jedenfalls keine Engstirnigkeit oder Übertreibungen vorwerfen. Meine ich.

» 9.10.08 12:55
Kathi

Wie schön ist es doch, dass wir die Sprache verwenden können wie wir wollen. Manche mag das ärgern. Ich steh voll drauf und nutze das aus. ;) Ohne DeutschlehrerIn sein und einfach tun was man mag ;)

Liebe Grüße

Kathi

» 19.10.08 15:59
Norbert

Schon interessant. Man hat mir hier jetzt bereits Engstirnigkeit, Unkreativität, Deutschlehrertum und Ähnliches vorgeworfen. Aber meine Antwort, zumindest auf die ersten beiden Postings, die wurde NICHT gebracht.

Aber es ist eh wurscht. Wer Logik nicht versteht, der(die) versteht auch Sprache nicht. Und wer Sprache nicht versteht, mag schreiben, was sie (er) will. Ich find's nur -- um wieder zum Anfang zurückzukehren -- einfach schade, dass auch Menschen, deren Meinungen und Haltungen ich sonst sehr schätze, wie eben Sie, Frau Knecht, von diesem sprachlichen Beliebigkeitsvirus angesteckt sind. Naja, ich werde es nicht ändern.

» 19.10.08 16:11
Norbert

OK, vielleicht ein technisches Problem.

Ich muss also die Behauptung, meine Antwort vom 8. Oktober auf die Postings von Margot und Caroline sei nicht gebracht worden, zurücknehmen. Sie wurde gebracht.

Das ist aber auch schon ALLES, was ich zurücknehme....

» 14.09.09 18:38
Mark Anders

Möchte Norbert zustimmen.
Ich stolpere auch schon seit Jahren jedes Mal unmutig über die Zusammenfügung "nichtsdestotrotz", geriet fast schon in Panik, als ich es vor geraumer Zeit sogar in einer Theater-Besprechung des Deutschlandfunks hörte, und beruhige mich inzwischen damit, dass es immerhin die Süddeutsche Zeitung allenfalls auf der Lokalseite durchgehen lässt.
Zum Ursprung meine ich mich zu erinnern, dass es zum ersten Mal Ende der 70er Jahre in einem Sketch von Dieter Hallervorden aufgetaucht ist. Dessen Grimassieren und sein typischer Sprechduktus war der Wortschöpfung ja auch durchaus gemäß.
Ich höre seine Stimme darum jedes Mal im Hintergrund mit, wenn jemand dieses Unwort benutzt.

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