16.10.08

Bittere Rache

Doris Knecht | 10/08

Das ZDF hat Elke Heidenreich gefeuert, die die erfolgreichst mögliche Literatur-Sendung auf die denkbar beste Art gemacht hat. „Lesen!“, hieß das. Heidenreich war grenzwertig frech gewesen: hatte sich nach Reich-Ranickis merkwürdig polarer (der donnernde Anfang: ranickirasend prima; die Gottschalkanbiederung: zehennägelaufrollend) in der FAZ polternd auf seine Seite geworfen. Der fällt ihr dafür jetzt aufs schäbigste in den Rücken: Die ZDF-Reaktion sei, so Reich-Ranicki, „nahe liegend“.
 Natürlich gehört das heidenreichsche Verhalten bestraft (wobei: Reich-Ranicki bekam danach eine extra Stunde Sendung, Heidenreich hat jetzt keine mehr): man kann nicht dem eigenen Chef öffentlich ins Schienbein treten; das tut man nicht. Dennoch wäre es gescheiter, ein großes, öffentliches Unternehmen wie das ZDF würde ein wenig gelassener auf die Kritik einer erfolgreichen Mitarbeiterin reagieren. (Zumal Heidenreichs öffentliche Eruption durchaus etwas notwehrhaftes hatte,  da sie, wie sie in der FAZ erzählte, in internen Gesprächen über ihre Sendung und deren Sendetermin wohl ein ums andere mal vertröstet worden war). In erster Linie aber schadet sich das ZDF  selbst, wenn er Heidenreich nun vor die Tür setzt, denn wie schwer es ist, ein erfolgreiches Literaturformat zu etablieren, beweist uns in regelmäßigen, ungroßen Abständen der ORF. Kein Wunder, baten nun in der Süddeutschen zahlreiche deutsche Verleger von Kunst- bis Goldmann um Amnestie für Heidenreich. Der ZDF sollte sie  gewähren; um seinetwillen.
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