Doris Knecht
| 10/08
| Kurier-Kolumne
Da sind wir nun. Mitten drin. Mitten in den Post-Wahltagen. Es sind die Tage des Rekapitulierens und des Kapitulierens, es sind die D-Days: Die Tage der Desillusion, die Tage des Dementierens und Demontierens, die Tage des Deeskalierens, die Tage des Drehens (hin und her), die Tage des Drangs (nach vorn!, nach vorn!). Die Tage des Deutens, die Tage des Donners, die Tage des Danksagens. DANKE, DANKE, DANKE, sagen die Parteien, DANKE, DANKE, selbst dann wenn sie das Wahlvolk lieber anschnauzen würden, die undankbare Bagage. Ihr undankbare Bagage, ihr! Kaum funktioniert man ein Jährchen oder zwei nicht wie am Schnürl, wählen sie einen schon nicht mehr, bestrafen sie einen schon, rücken sie schon ab von einem, rücken sie schon nach rechts; als röche man schlecht oder so.
Nichtsdestotrotz wollen auch wir danke sagen: Danke, dass die Wahlplakate und Dreiecksständer mit den Lächlern und Ernstmienigen jetzt wieder von Straßen verschwinden, die Versprechungen und die Passt-bloß-auf-Parolen mit ihren alarmistischen Rufzeichen in fetten Block-Schriften. Danke, dass wir jetzt keine Wahlzuckerl mehr lutschen müssen; soviel süß ist ungesund. Danke, dass Wachteleier jetzt wieder dort ausgebrütet werden, wo es die Natur vorgesehen hat, unter der Wachtel. Danke, dass die TV-Abende nun nicht mehr dominiert werden von Männern in dunklen Dreiteilern.
Danke, Bundeskanzler, danke, Vizekanzler, danke Regierung, dass das Gestreite und Bocken und Blockieren dazu geführt hat, dass so viele Menschen in Österreich ihre Erlösung nur noch in rechter und rechtsrechter Politik zu finden glauben. Aber danke, dass es wenigstens nicht regnet.