Doris Knecht
| 10/08
| Kurier-Kolumne
Wenn Sie mich fragen, brauchen wir uns nicht wahnsinnig über Bim-Rahrer aufpudeln, die mit „Sieg Heil“ grüßen: wenn wir es gleichzeitig für tolerabel halten, dass ein Nationalratspräsident zusätzlich Mitglied einer rechtextremen Burschenschaft ist. Und keinen Anlass sieht, deshalb seine Olympia-Mitgliedschaft zurückzulegen; Graf hält das für vereinbar.
Und, schau her, das ist es auch, das wurde ihm von einer großen parlamentarischen Mehrheit versichert, darunter auch SPÖ-Abgeordnete. Vielleicht haben die sich aber nur verwählt, was den FPÖlern nicht passieren konnte, denen wurde der Namen des zu wählenden Kandidaten sicherheitshalber schon auf den Stimmzettel gekritzelt, damit ja kein Versehen passiert. Insgesamt: Eine schöne Demonstration der Qualität des österreichischen Parlamentarismus.
Und dafür, dass Österreich Österreich bleibt: Erstens, man lässt sich kaan aussischiaßn. Zweitens: Mir machen es, wie mir es immer gemacht haben. Drittens: Ein Formalakt muss ein Formalakt bleiben, wo kommen wir hin, wenn wir uns das jetzt noch mit Inhalten verkomplizieren. Wei, viertens, wie verwirrend wäre das bitte für Mandatare, die sich schon keine Stunde merken können, wen man, wie ausgemacht, wählen muss. Fünftens: Wir lassen sich uns kaan madig machen, schon gar nicht von den Grünen. Sechstens ist er, entschuldigen schon, ja nur bei einer rechtsextremen Burschenschaft; er nimmt ja keine Drogen oder fährt betrunken Auto oder sonst etwas ernsthaft Arges.
Deshalb ist es, wenn Sie mich fragen, verzeihlich, wenn ein Bim-Fahrer versehentlich einmal mit „Sieg Heil“ grüßt. Das kann in so einem Österreich schon einmal passieren.