Doris Knecht
| 10/08
| Kurier-Kolumne
ie Kollegen fragen, ob ich narrisch geworden bin. Wie ich das bitte argumentieren wolle, fragen die Kollegen, als Frau, die für Rauchverbotr eintritt, als Mutter mit panischer Angst vor Gummibärli. (Habe ich natürlich nicht. Ich halte nur Zuckerl nicht für eine Jause.)
Die Idee war nämlich, an dieser Stelle einerseits dem Frust darüber Ausdruck zu verleihen, dass schon wieder ein Radfahrer beim Dopen erschwischt wurde. Und zwar einer, der Dreifingeraufsherz auf seine absolute Sauberkeit schwor, ja verschiedentlich beteuerte, die Zeiten hätten sich geändert, die jungen Fahrer sorgten für einen sauberen Sport. Aber offenbar hat sich nichts geändert, außer, dass die Jungen geschickter versuchen, sich nicht erwischen zu lassen.
Eben deshalb wollte ich andererseits empfehlen, vor Dopern und Doping zu kapitulieren, die Sache freizugeben, die totale Eskalation zu risikieren. Ja: ich will völlig zugedröhnte, aufspritzte Radler, die irgendwann vom Rad fallen, mit Tatütata in Universitätskliniken gefahren werden und sich vor Kameras und Mikrophonen mit den gesundheitlichen Folgen ihres engagierten Blödseins und dem Ruin des Radsports auseinandersetzen müssen. Die Kollegen sagen: verantwortungslos!, wegen der Kinder, wegen der Botschaft, dass Pillen helfen, wenn man’s allein nicht schafft. (Aber das lernen sie leider sowieso, in einer Welt, in der es als vertretbar gilt, Heranwachsende auf Ritalin und Antidepressiva zu setzen.)
Was auch deswegen vorbildtechnisch wirklich gefragt wäre: Erfolgreiche Sportler, die freiwillig und aus Prinzip auf den Mist verzichten, obwohl er erlaubt ist. Naiv? Ja. Aber nichts schlimmeres für ein Kind als ein vermeintlich sauberes Vorbild, das einfach nicht effektiv genug betrogen hat.