Doris Knecht
| 10/08
| Kurier-Kolumne
Ich glaube, es ging um Radwege. Ich war ganz frisch im Journalismus. Es war eine meiner ersten Pressekonferenzen, und meine erste beim Wiener Bürgermeister, der mich, als ich es endlich wagte, eine Frage zu stottern, vor der Menge der erfahrenen Kollegen minutenlang in Grund und Boden polterte. Nicht wegen meiner Frage, sondern weil ich vom Falter kam, der wieder etwas geschrieben hatte, das dem Bürgermeister ganz und gar nicht konvenierte. Es war vernichtend und ehrenvoll zu gleich.
Und so habe ich Helmut Zilk auch später immer wieder erlebt: Als einen impulsiven Menschen (einen anderen Kollegen zog er während einer Pressekonferenz am Ohr), dem es, wenn etwas hinaus musste, völlig einerlei war, in welchem Rahmen und in welcher Gesellschaft er sich momentan befand; was sein musste, musste sein; und zwar: sogleich.
Und auch, ob er mit seiner Ansicht eine Mehrheit bediente oder auch einmal nicht, spielte für den Bürgermeister Zilk keine Rolle, wenn es jemandem gelang, ihn für eine Sache zu begeistern: Das erlebte ich bei anderer Gelegenheit, als Zilk zu entscheiden hatte, ob das damals umstrittene Lokal Flex seine neue Behausung am Donaukanalufer der Innenstadt bekommen sollte oder nicht. Nicht, fand eine Delegation aus betuchten Innenstädtern, die es gewohnt waren, Ihren Willen zu bekommen: Und die putzte Zilk während einer Audienz im Rathaus zusammen wie Erstklässler, um dann den nicht weniger eingeschüchterten Punks ihren Wunsch zu erfüllen. Weil Zilk fand, zu einer Metropole – und als solche hat er Wien immer gesehen – gehöre auch derlei. Und da hatte er Recht; wie bei vielem anderen auch. Schade, dass es ihn nicht mehr gibt.