Doris Knecht
| 10/08
| Kurier-Kolumne
Gegen Weihnachten habe ich prinzpiell nichts. Im Gegenteil: Ich habe die Weihnachtszeit gern, vor allem seit ich Kinder habe. Und seit es ebay gibt, weil das Gebraucht-Geschenke-Ersteigern übers Internet meine nervlichen Ressourcen entschieden schont. (Die der Erde praktischerweise auch. Und meinen Kindern ist es einerlei, ob mit dem Lego, das sie bekommen, schon andere Kinder gespielt haben. Sie wären auch unheimlich bereit, einen gebrauchten Gameboy unterm Christbaum zu akzeptieren, aber nixnix, so etwas kommt mir nicht ins Haus, neu nicht und gebraucht nicht.)
Ich habe es aber nicht so gern, wenn Weihnachten schon im Altweibersommer anfängt. Man steht im kurzärmligen Leiberl vor Schaufenstern, die Spätsommersonne glüht einem aufs Haupt, das Eis rinnt den Kindern über die Finger, während in den Schaufenstern – schau, Mamaaa! –erste Weihnachtsmänner auf ihren Schlitten schlitteln.
Schon sind die Supermärkte erfüllt von Weihnachtsduft; schon stapeln sich Weihnachtskekse und Lebzelten, schon wird wieder überall Zimt hineingemixt und Lebkuchengewürz: in Jogurts, Schokoriegel, Marmeladen, in den Weichspüler, Seifen und ins Geschirrpülmittel.
Dabei wurde am Kalender eben erst der September abgericcssen, aber zwischen uns und dem Christkind steht jetzt nur das elende Halloween. Und, vertrauen sie mir, kaum hat man uns fertig knietief durch Plastikkürbisse und Kürbisplastik gejagt, werden überall die Weihnachtslieder aus dem Lautsprechern klingen und Weihnachtsbeleuchtung wird über unsern Köpfen strahlen, bevor noch der Herbst endgültig die letzten Blätter abgeworfen hat. Ist denn schon Weihnachten? Ja. Leider.