Denken Sie Ihrer Kolumnistin bitte tiefe Augenringe ins Antlitz und ein paar Rötungen auf fahlem Grund: Ich komme eben von der Frankfurter Buchmesse zurück. Ich war zum ersten Mal dort und hatte keine Ahnung, wie großartig es da ist. Denn es hat halt eine besondere Qualität, ein paar Tage im dichten Gewimmsel von Leuten zu verbringen, die Bücher lesen und über Bücher nachdenken, reden und streiten, die Bücher schreiben, Bücher machen und Bücher verkaufen.
Es sind sicher auch Automobil- und Möbel-Messen spannend und aufregend: Aber eine derartige Zusammenballung von Geist und Intellekt (jaja, tüchtig Eitelkeit und etwas Dummheit ist auch darunter) kriegt man in dieser Dichte nur auf der Buchmesse. Auch abends. Beim Österreicher-Empfang, bei der S.Fischer-Party, beim Rowohlt-Fest: Man reibt sich entlang von Meinecke, Timm, Haslinger, Bayer, Kracht, und Martenstein, an Titanic-Chefredakteuren, Feuilletonchefs, von Kolleginnen und Kollegen zur Bar und wieder zurück. Man bleibt bei der Schriftstellerin stehen, wird der Agentin vorgestellt, bekommt vom Schriftsteller die Hand geschüttelt oder mit einem Getränk ergänzt. (Und nicht ein Österrreicher wurde nicht zur causa prima befragt: 1,8 Promille! 142 Kaemha! Ihr Ösis könnt es aber!) Man quetscht sich in Taxis und lässt sich weit nach Mitternacht in die Bar des Frankfurter Hofs kutschieren. Durchmisst deshalb anderentags die Messehallen mit solchen Augenringen. Plaudert mit Verlagsmenschen, blättert in Büchern und lässt sich beim Wieser-Verlag von Lojze Wieser mit Schinken füttern: Und kehrt sehr müde nach Hause zurück. Trotzdem; ich fahre wieder hin.