Doris Knecht
| 10/08
| Kurier-Kolumne
Frau R. steigt täglich bei der Station Kaisermühlen in die U-Bahn ein und aus und wird momentan wieder täglich belästigt: Von Spendenkeilern, die dort in regelmäßig Abständen ihr Geschäft betreiben. Pro Juventute sei ihr aufgefallen, und besonders Greenpeace, schreibt Frau R.. Greenpeace ist ihr durch besondere Frechheit sogar so aufgefallen, das sie sich vor ein paar Wochen bei der Organisation beschwerte: „Erst nach nochmaliger Urgenz habe ich dann eine Reaktion erhalten“, schreibt Frau R.
Gestern wurde Sie erneut an der U-Bahn-Station von einem Greenpeace-Mitarbeiter angesprochen, und sagte: „Nein, danke“. Woraufhin der Mann gemeint habe: „Na, schaust eh so aus, als obsd nix für den Umweltschutz übrig hast.“
„Habe ich das notwendig?“ fragt Frau R., weiß die Antwort aber eh: nein, hat sie nicht. „Und es unterstreicht meine Einstellung, dass solche Aktionen nichts für den Umweltschutz tun.“
Natürlich brauchen Organisationen wie Greenpeace Geld, um ihre gute Sache finanzieren zu können. Und natürlich kommen die meisten Leute nicht von selber auf die Idee, ihnen etwas von ihrem Geld zu geben, brauchen also einen Stupser. Aber das ist kein Stupsen mehr, das ist aggressives Stoßen. Und Gestoßene hegen für die Stoßenden meist keine große Sympathie. Aber offenbar ist das der Preis, den eine notwendige Organisation mit wichtigen Zielen wie Greenpeace für ein paar gelungene Keileraktionen zu zahlen bereit ist: Dass viele andere sie irgendwann nicht mehr lieb haben: Schmecks.
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Doris Knechts neues Buch „Gut, ihr habt gewonnen. Neue Geschichten vom Leben unter Kindern“ ist soeben im Czernin Verlag erschienen.