Doris Knecht
| 10/08
| Kurier-Kolumne
Erst tobte Marcel Reich-Ranicki, dann kalmierte Thomas Gottschalk, dann sprang Elke Heidenreich Reich-Ranicki in der FAZ bei, dann führte Reich-Ranicki mit Gottschalk ein überflüssiges TV-Gespräch, dann schrieb wieder Heidenreich in der FAZ, um sich für ihren ersten FAZ-Artikel zu rechtfertigen. Und man gibt ihr vielem Recht, weil sie wach ist, gescheit und lustig, aber halt, wie sich dann wieder zeigt, aus einer Generation von deutschen Intellektuellen stammt, die für richtig gute TV-Unterhaltung immer noch nur ein Namen kennt: Loriot, Loriot, und immer wieder Loriot.
Aus einem Reflex heraus schaut diese Generation auch beim Fernsehen nie nach Amerika: Fehler. Denn Serien wie „Curb Your Enthusiasm“, „West Wing“, „Six Feet Under“ oder „The Sopranos“ verfügen über eine unvorstellbare Dichte grandioser, witziger, kluger, Momente (während man bei Loriot, bei allem Respekt, doch meistens vor allem eine Nudel findet). Die bekommt man natürlich nicht im öffentlich-rechtlichen TV, und wenn doch, dann so spät, dass man ja keinen Käskopf, der das das eventuell nicht verstehen und/oder nicht lustig finden könnte, verstört und sich so die Quote ruiniert. Denn die regiert nun einmal.
Was die Heidenreich-Ranickis einfach nicht kapieren wollen: Fernsehen ist kein Bildungs- oder Qualitätsmedium. Fernsehen ist ein Quotenmedium, ein vorsätzlich mittelmäßiger Info-Unterhaltungsgatsch, bei dem man sich freuen darf, wenn ihm grandiose, kluge, glückliche Momente entspringen.
Tun sie auch; müssen sie aber nicht. Man muss auch nicht fernsehen. Man kann lesen. Man kann sich die Trotzallem-Momente per DVD-Recorder herauspicken. Und man kann die guten Serien DVD-Boxenweise im Paket einsaugen, was sowieso viel besser ist. Da fällt mir ein, alle sieben Staffeln von „West Wing“ müssen her: passen prima zur anbrechenden Ära Obama. Aber erzählen Sie das einmal den TV-Chefs; nein, bringt ja nichts.