Doris Knecht
| 10/08
| Kurier-Kolumne
s ist eine Schule mit einem übermäßigen Anteil an, wie es so schön heißt, bildungsnahen Eltern. Und noch bevor der erste Schulmonat vergangen war, musste die Lehrerin die Eltern der Tafelklassler bereits ermahnen, den Kindern doch bitte keine Süßigkeiten und Chips in die Jausendose zu packen.
Man müsste meinen, die Eltern sollten es besser wissen. Was heißt: Sie wissen es besser, denn wenn es bei einem Thema mittlerweile lückenlose Aufklärung gibt, dann bei der gesunden Ernährung, vor allem jener von Kindern. Fernsehen, Printmedien, gesundheitspolitische Kampagnen, Schulinformation: es ist überhaupt nicht mehr möglich, nicht zu wissen, welches Essen Kindern gut tut und welches nicht. Welche Nahrung ihrer Aufnahmefähigkeit und ihrer Entwicklung förderlich ist und welche sie müde, dick und krank macht. Eltern wissen das ganz genau. Und es ist ihnen powidl.
Klar, der Vergleich macht Sie sicher: Die Jausendose mit den Kuchenschnitten, Schokoriegeln, Pomm- und Gummibären ist abends leergegessen, während man Teile des Kornweckerls, des Müsliriegels, des geschnittenen Obstes, der Nüsse und getrockneten Früchte abends immer wieder mal begrüßen darf; ah, auch noch hier. Resignierter Elternschluss: Besser, sie essen etwas Süßes als sie essen gar nichts. Gegenmeinung, basierend auf uralter Oma-Erfahrung: Wenn sie richtig Hunger haben, essen sie früher oder später auch das Gesunde.
In England haben viele staatliche Schulen jetzt aus Notwehr Ketchup verboten. Wer protestierte, wie schon bei Jamie Olivers dringend notwendiger Schulküchen-Reform, als erstes? Eltern.
Wissen schützt leider vor Dummheit nicht.