Doris Knecht
| 10/08
Mein Rock, eigentlich ein Kleid, reicht heute knapp bis zum Knie. Ja, Sie haben Recht, das ist eigentlich eine unglaublich verzichtbare Information, aber Moment. Denn wie ich heute lese, zeigt meine Rocklänge, wie viel Geld Sie im Börsel haben und haben werden. (Im Augenblick also circa mittelviel.) Denn mit den Aktienkurse fielen auch die Rocklängen, das soll schon in den 1930er-Jahre der Ökonom Georg Taylor ermittelt haben; und diese Theorie wird nun, wo die Aktienkurse runterbrettern wie Hermann Maier die Streif, wieder ausgegraben.
Natürlich wird ihr, wie allen Theorien, die etwas auf sich halten, von anderen Experten widersprochen: Genau umgekehrt sei es, ge-nau um-ge-kehrt: je kürzer der Rock, desto schlechter die Zeiten. Aber wenn Sie mich fragen, sollte man den Frauen, wenn man schon die aktuelle Wirtschaftslage anhand ihrer Garderobe analysieren nicht auf den Rock schauen, sondern auf die Füße.
Eine kleine empirische Untersuchung im Freundinnenkreis zeigt: Je schlechter das Wirtschaftswetter, desto preiswerter und älter die Schuhe. Und das hat nicht nur mit akutem Sparzwang zu tun, sondern vor allem psychologische Gründe: Wir finden es, angesichts grassierender Krisen, einfach sehr lächerlich, ein mittleres Vermögen für ein Paar neue Schuhe auszugeben. Und für teure Mode überhaupt. Wir schrauben unsere materiellen Ansprüche und Bedürfnisse jetzt einmal Richtung Bescheidenheit, Genügsamkeit, Verzicht. Man sieht’s an unseren Schuhen. Und das Kleid ist auch schon uralt.