Doris Knecht
| 11/08
| Kurier-Kolumne
Jetzt ist genau das passiert. Genau das, was wir vor der Wahl befürchtet haben: Dass wir uns nach der Wahl fragen werden müssen, wozu wir eigentlich gewählt haben. Wozu wir einen kostspieligen Wahlkampf mit allen seinen Besserungsschwüren und all den Grauslichkeiten von ultra-rechts ertragen mussten.
Und genau das fragen wir uns jetzt, wo nach wochenlangen Koalitionsverhandlungen auf einmal erste Grundsatzfragen gestellt werden – Entschuldigung, aber selbst unter Kindergärtlern werden die wichtigen Fragen in der ersten Woche geklärt. Worüber haben die bis jetzt gesprochen?
Noch bevor diese Regierung gebildet ist, werden Ultimaten gestellt, wird gestritten, geschmollt und gebockt. Mit dem Unterschied, dass Pröll der neue Molterer ist und Faymann der neue Gusenbauer: Waren wir da nicht schon? Hätten wir uns nicht viel Geld, Energie und Nerven gespart, wenn wir dort einfach geblieben wären und weitergemacht hätten?
Zudem erinnert das derzeitige Hickhack ungut an die Gespräche zwischen Klima und Schüssel im Jahr 1999, als die Koalitionsverhandler sich auch Woche um Woche auf nichts einigen konnten, wo es auch, wie jetzt, „an der Kippe“ stand, und dann kippte es und plötzlich hatten wir Schwarz-Blau.
Läuft das etwa wieder auf derlei hinaus? Haben wir schon vergessen, was damals für Leute an die Macht kamen? Leute, über deren Bewerbungsschreiben wir hinterher herzlich lachten, als hätten wir vorher nicht genau gewusst, wen wir da zum Vizekanzler gemacht haben? Waren wir da nicht schon?
Indem man den Wählerinnen und Wählern ständig unangenehme Deja-vus verschafft: So erzeugt man Politikverdrossenheit; genau so.