Doris Knecht
| 11/08
| Kurier-Kolumne
Es wurde wieder einmal umgefragt. Das Ziel war, durch 1001 Online-Interviews herauszufinden, was die Österreicher des Abends am liebsten tun, und, tadaa, sie sind abends nicht gern allein. Die unter 26 Möglichkeiten meistgewählte Antwort lautete so: „Sich dem Partner zu widmen und es sich im Bett, vor dem Fernseher oder dem DVD-Player gemütlich zu machen“.
Das ist in zwiefacher Hinsicht von Interesse. Erstens soll vor Jahren einmal eine Umfrage der Hamburger ZEIT, was denn der Leser liebste Rubrik in besagter Wochenzeitung sei, erbracht haben, dies sei der wöchentliche Leitkommentar des damaligen Chefredakteurs: eines klugen, hoch analytischen und überaus unmitreißenden Autors. Das Exempel zeigt, dass Umbefragte sich aus Gründen der Selbstidealisierung auch gerne einmal in den eigenen Sack lügen. Und dass auch in der aktuellen Umfrage wahrheitsgemäßere Antworten wohl wie folgt gelautet hätten: Durch Internet-Pornoseiten surfen. Vorm Fernseher einschlafen. Sich der Spielkonsole hingeben, solchenes.
Zweitens fragt man sich, wie man sich die Sache eigentlich konkret vorzustellen hat. Gilt Anlehnen, Handihalten, Anschweigen, Chipstüteteilen und Bierbringen bereits als Partnerwidmung? Oder schließen sich nicht das eine – die Konzentration auf den Bildschirm – und das andere – die Beschäftigung mit dem Partner (im Sinne von Kommunikation und dergleichen) – irgendwie aus? (Es gibt in „Chopsticks“, einem frühen Song der Popmusikerin Liz Phair, eine Textstelle, die sich sehr explizit mit dem Thema beschäftigt, weshalb ich sie hier nicht wiedergeben werde.)
Ich meine: Fernsehen oder sich dem Partner widmen. Das eine beinträchtigt das andere doch jeweils massiv.