28.11.08

Die Nüsse werden übrig bleiben

Doris Knecht | 11/08 | Kurier-Kolumne

Noch zehn Tage bis Nikolaus. Er kommt heuer wieder zu den Rs., die Ns. bringt die Sackerl und wir den Leberkäs und den Erdäpfelsalat. Zehn, zwölf  Kinder, kleine und größere, werden großäugig vor dem Mann mit dem Bart sitzen, verlegen kichern, Advent-Lieder singen und sich aus dem goldenen Buch vorlesen lassen: was sie dieses Jahr alles gut und richtig gut gemacht haben. Und ein bissl von dem, was nicht so gut funktioniert hat. Altbewährter Eltern-Trick: Tadel-Outsourcing; weil wenn’s vom Nikolaus kommt, wird’s vielleicht ernster genommen. Funktioniert praktisch nie, aber egal.
Krampus wird natürlich keiner kommen; die Kinder werden  vom Nikolaus rote Papiersackerl mit exakt identischem Inhalt – Mandarinen, Nüsse,  Süßigkeiten – entgegennehmen. Die werden sie, aber erst nach dem Essen! , gemeinsam plündern, bis nichts mehr Platz hat in den Bäuchen (die Nüsse und Mandarinen werden übrig bleiben).
Während die Eltern in der Küche plaudern werden und Wein trinken und  beim Leberkäse tüchtig zulangen und beim Erdäpfelsalat. Es wird, wie jedes Jahr, richtig schön.
Ab acht werden die Großen zum Aufbruch drängen und die Kleine protestieren, aber weil der Nikolaus heuer auf einen Samstag fällt, wird es nicht so streng zugehen und vermutlich wird keiner vor zehn vom Tisch aufstehen.
Weil der Nikolaus heuer auf einen Samstag fällt, wird das wiener und neuerdings auch niederösterreichische Nikolausverbot vielleicht nicht so ins Gewicht fallen. Trotzdem, tut mir leid, es ist ein Unsinn. Ja, es gehören eine Menge Dinge sanktioniert, die schlecht für Kinder sind oder ihnen Angst machen. Aber der Nikolaus gehört, meine  Meinung, nicht dazu.
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