29.11.08

Ein paar Schriftsteller wären praktisch

Doris Knecht | 11/08 | Falter-Kolumne | Freunde | Kunst & Kultur | Schuld und Sühne

Viel über Privatheit nachgedacht, letzte Woche. Es gab da einen Konflikt, einen exemplarsichen Konflikt, aber den hier zu reflektieren, würde den Konflikt ins quasi Unermessliche potenzieren. Und mir ist nicht nach Streit. Ich will jetzt Friede um mich haben, Weihnachtsstimmung, ich möchte angelächelt werden durch Kerzenschein.

Allerdings letzte Woche immer noch nicht viel Privatheit gehabt, was darin gipfelte, dass ich am Samstag auf dem Weg zu einer Lesung, zwischen Wohnzimmer und brut-Theater, mein Leseexemplar mit den Postits verlor; ich weiß nicht wie, einfach weg. Wahrscheinlich fährt es in einem Taxi durch Wien, als eigenwillige Fußmatte. Es muss kein direkter Zusammenhang dazu bestehen, dass ich tags zuvor The Fall in der Arena sah, und danach ein bisschen etwas von A Life, a Song, a Cigarette im Flex und danach, um eins, bei der 30-Jahre-Droschl-Party nichts mehr zu trinken bekam. Denn die Party war schon aus. Aus, bitte! Entschuldigung, wenn das jemand im Ausland erfährt! Was wirft das für ein Licht auf den gesamten österreichischen Literaturbetrieb! Das ist ja!

Wobei man sagen muss, dass die Buch Wien am Messegelände ein wirklicher, voller Erfolg war: Das hat richtig gebrummt. Nur an den Partys muss man dringend noch arbeiten, so geht das nicht. Ich meine, um eins, wo samma. Und ich meine zum Beispiel das Eröffnungsfest: Das Setting im Museumsquartier war sehr schön, aber am Ablauf muss man unbedingt noch schrauben. Zum Beispiel widerspricht es dem Prinzip von Party an sich, sie mit acht Lesungen hintereinander zu kombinieren: Beides für sich ist prima, beides zusammen funktioniert null. So ein Eröffnungszeremonial, das muss rauschen, gearbeitet wird dann eh die ganze Woche. Und dann sollten, wenn man schon ein großes Literaturfest eröffnet, unbedingt ein paar Schriftstellerinnen und Schriftsteller anwesend sein, und zwar nicht nur die, die man zum Lesen engagiert hat, und ganz besonders auch die, von denen man weiß, dass sie sich garantiert schlecht benehmen. Nächstes Jahr. Nächstes Jahr!

Mark E. Smith, weil wir gerade von The Fall reden, sieht jetzt übrigens aus wie etwas aus einem Peter-Jackson-Film. Es ist im Fall-Fall, im Unterschied zu fast allen Konzerten sonst, besser, man seht nicht direkt bei der Bühne, weil man dann genau sehen kann, wie Mark E. Smith zwischen zwei Songzeilen auf seinem zahnlosen Zahnfleisch herumkaut wie die alte Hexe Tannenmütterchen. („Das alte Haus“ von Wilhelm Matthießen. Von 1923; und immer noch ein saugutes Märchenbuch; können sie sich auf die Weihnachtsliste schreiben. Apropos Weihnachtswunsch: Liebes Christkind, ich wünsche mir ein neues Kolumnenbild, auf dem ich ein Eitzerl wie ich ausschaue.) Allerdings greint Herr E. Smith uns immer noch tadellos was daher, das soll uns zum Vorbild gereichen, aber erst wieder ab Jänner oder so. Nun will ich friedlich sein.
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