30.11.08

Freundschaft, Künstler!

Doris Knecht | 11/08 | Kurier-Kolumne

Irgendjemand in der Stadt Wien (sicher kein Geringer) hat beschlossen, dass Wien das braucht: ein Wiener Lustspielhaus, ein Wandertheaterzelt, erfunden und betrieben vom Schauspieler Adi Hirschal. Jemand (und gewiss kein Ohnmächtiger) hat gesagt: Dieses Theater finanzieren wir, da brauchma keine Theaterjury. Und nun wird an Hirschals Theater, der KURIER berichtete, seit 2004 jährlich zwischen 363.000 und 535.000 Euro Förderung überwiesen: Insgesamt waren es in vier Jahren 1.583000 Euro. Im Jahr 2007 zeigte das Lustspieltheater, so steht es im Kontrollamtsbericht, genau 30 Vorstellungen. Das heißt, das Theater, das in jenem Jahr 385.000 Euro Förderung erhielt, war an 335 Tagen geschlossen, jede einzelne Vorstellung mit 12.833 Euro subventioniert; und zwar bei Kartenpreisen von bis zu 29 Euro. Das rechnet sich auch für den Hausherrn: Wie das Kontrollamt kritisierte, hatte der Vereinsvorstand – Hirschal und zwei weitere Personen – sich jedes Jahr Honorare bis zu 180.000 Euro ausbezahlt: 2005 waren es 175.000. Falls die drei gerecht geteilt haben, bleiben 58.300 pro Person, was wiederum ein monatliches Bruttohonorar von 4861 Euro ergibt. 2005 zeigte man 46 Vorstellungen. Meistens von sehr weit rechts hören wir periodisch die Kritik, dass Künstler doch nur Schmarotzer seien, die sich auf Staatskosten ein feines Leben machen. Das Problem ist, dass es manchmal stimmt. Das Problem ist, dass Leute wie Hirschal und seine Geldgeber dieser Kritik tüchtig Munition liefert. Dass das Rote Wien damit die Arbeit abertausender österreichischer Künstler und Kulturschaffenden desavouiert und entwertet, spielt keine Rolle. Freundschaft, Kulturproduzenten! Das ist nämlich das Wichtigste. 
« Ein paar Schriftsteller wären praktisch | Main | Ein einfaches Düdeldü, bitte »