Doris Knecht
| 11/08
| Kurier-Kolumne
Es grenzt an ein Wunder: Endlich soll jetzt auch Kinderbetreuung steuerlich absetzbar werden. Mit Einschränkungen natürlich; aber immerhin. Jahre-, was: jahrzehntelang hatte sich die SPÖ gegen die steuerliche Absetzbarkeit von Kinderbetreuung gestemmt, mit dem Argument, das würde die besserverdienenden Familien bevorzugen, die sich bezahlte Kinderbetreuung überhaupt leisten können.
Man fand es über die Jahre offenbar vernünftiger, alle Familien mit zwei erwerbstätigen Partnern gleichermaßen gegenüber anderen Erwerbstätigen zu benachteiligen, die Ausgaben, die ihre Berufstätigkeit beeinflussen, sehr wohl absetzen konnten; Telefonkosten etwa, Fachbücher, Fortbildungen und, limitiert, Kilometergeld, sogar für Fußwege.
Die Betreuung ihrer Kinder während ihrer Arbeitszeit dagegen nicht. Es gab zwei Ausnahmen: Alleinerzieherinnen; sowie Paare, die beweisen konnten, dass die Erwerbstätigkeit beider Partner unausweichlich ist. Was, so die Erfahrung von Steuerberatern, so gut wie nie anerkannt wurde. Mit dem Argument: wenn einer der Partner zuhause bliebe, könne der andere tüchtig genug arbeiten und ausreichend verdienen, um die Familie zu erhalten.
Welcher Partner in so einem Fall meistens zuhause bleibt, weiß man. Weil man weiß, wer in einer Partnerschaft gemeinhin diejenige ist, die in ihrem Beruf durchschnittlich mehr als ein Drittel weniger verdient: die Mutter. Dass man dadurch Frauen wie in guten alten Zeiten aus dem Erwerbsleben entfernte und sie in ökonomische Abhängigkeit brachte, hat die SPÖ über die Jahre wenig interessiert.
Nun hat man endlich ein Einsehen. Sage keiner, es geschähen keine Wunder.