Doris Knecht
| 11/08
| Kurier-Kolumne
Letztes Mal, als ein amerikanischer Präsident gewählt wurde, habe ich den Abend – und, naja, einen Teil der Nacht – mit Freunden in einer haitianischen Bar in Zürich verbracht: Wir tanzten zu karibischer Musik und feierten fröhlich, dass George W. Bush endlich nicht mehr amerikanischer Präsident ist. Wie wir anderntags in der Früh aufgewacht sind, war er es leiderdoch noch. Von John Kerry, in den auch aus Europa so viele Hoffnungen gesetzt wurden, hat man seither nicht mehr viel gehört.
Wir wollen nicht hoffen, dass es diesmal wieder so ist; also zumindest ist jetzt ganz bestimmt George W. Bush nicht wieder der nächste US-Präsident. Und die Zeichen stehen prächtig, dass Barack Obama tatsächlich der erste Mann Amerikas geworden ist: die dumpfe Bush-Ära ist zu Ende und wird, wie in Clintons Amtszeiten, endlich von einer lichteren, weniger dumpfen, menschenfreundlicheren, kultivierteren und geistreicheren Politik abgelöst.
Nicht, dass man einen neuen US-Präsidenten, welcher Ideologie auch immer, überbewerten sollte: Auch Obama wird, wie schon Clinton vor ihm, die Todesstrafe nicht abschaffen. Auch unter Obama wird der Krieg im Irak nicht morgen vorbei sein. Auch Obama wird das amerikanische Sozialsystem nicht gesund bekommen und die USA nicht zum Klimaschutz-Vorbildland machen. Aber er wird einiges davon zumindest versuchen. Und das ist mehr, als man über seinen Vorgänger behaupten kann.
Dieses Mal, wenn der amerikanische Präsident gewählt wird, spiele ich mit Freunden Karten in einem türkischen Gasthaus. Und wenn ich morgen aufwache, liegt dieser Text hoffentlich bitte nicht komplett falsch.