7.11.08

Höfliche Handyfonie

Doris Knecht | 11/08 | Kurier-Kolumne

Alte Schlaumeier-Regel: Vorsicht beim Konsum von Studien. Immer fragen, wer sie in Auftrag gegeben hat, weil das auf das Ergebnis der Untersuchung durchaus Auswirkungspotential hat. Und wenn  ein Handynetz-Provider eine Studie darüber in Auftrag gibt, ob die Wienerinnen und Wiener für oder gegen ein Handy-Verbot in Öffis sind, übqerrascht es nicht im Übermaß, wenn da herauskommt, dass eine Mehrheit  dagegen ist.
70 Prozent, knapp: das ergab eine Gfk-Studie im Auftrag der mobilkom austria. 60 Prozent der Handyfonierer aber sei es ein Anliegen, so die Studie weiter, dabei ihre Umwelt nicht zu stören.
Das ist schön und beweist uns u.a., dass die mobile Kommunikation die Menschen nicht zwingend zu Unmenschen macht, die ihre Öffi-Mitreisenden mit intimen Schwänken aus dem Privatleben, Einkaufslistendiktaten und akustischen Terminkalendern terrorisieren. Nein, der Mobilkonsument ist, bis auf ein paar Ausnahmen halt, ein höflicher, rücksichtsvoller Mensch, der sich und seine Telefonie soweit unter Kontrolle hat, dass Verbote für ihn nicht notwendig sind. Anders als, jetzt nur zum Beispiel, Raucher, denen man das Rauchen ausdrücklich an jedem Ort, an dem es unerwünscht ist, verbieten muss, in Öffis etwa. Aber auch anders als beim Rauchen macht einen natürlich die Belästigung durch Fremdakustik nicht krank, höchstens narrisch, aber jetzt nicht im Sinne einer nachhaltigen Gesundheitsschädigung. Zudem ist die Belästiung demokratischer als beim Rauchen: Weil fast jeder schon ein Handy besitzt, passiert es fast jedem, dass man auch mal angerufen wird, während man... Moment. Nein, Brot hats noch, aber bring bitte Milch. Tschuldigung, schon erledigt.
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