Doris Knecht
| 11/08
| Kurier-Kolumne
In der FAZ beklagte kürzlich ein Autor , dass die „soften“ neuen Väter die Literatur beschädigten; sie seinen zu nett zu ihren Kindern, so dass diese ohne für die Literaturproduktion verwertbare Traumata aufwüchsen: „Worüber sollen Kinder schreiben, die nicht zuletzt dank der soften Väter eine in jeder Hinsicht behütete, aus lauter Liebe und Anregung bestehende Erziehung genossen haben?“ Ja, worüber ? Wird die Literatur gar andere Themen finden müssen? Grundgütiger!
Die neuen Väter sind aktuell ein gesellschaftliches Einser-Thema. Die großen Zeitungsverlage werfen serienweise Magazine dazu auf den Markt, und warum: Weil es jetzt eine Zielgruppe dafür gibt. Die Lebensmuster und Probleme der neuen Mitmach-Väter sind endlich von mehrheitsfähiger Relevanz, über die Fachliteratur-Grenzen hinaus.
Im Magazin „Fleisch“ hat die Schauspielerin Doris Schretzmeyer ein bemerkenswertes Interview mit drei jungen Vätern gemacht: Bemerkenswert deshalb, weil alle drei ganz direkt und unverschwurbelt über die Überforderungen reden, denen engagierte junge Papis in der ersten Zeit ihrer Vaterschaft unvermutet ausgesetzt sind. Das erlebt zwar jeder, aber in dieser radikalen Ehrlichkeit liest man es selten.
Vielleicht reden sie normal nur untereinander darüber, oder haben es einfach bisher nicht für ein wichtiges Thema gehalten, was das Kinderhaben mit einem macht, wenn man es zulässt. Aber es ist wichtig, zeigen uns die Bekenntnisse dieser Protagonisten einer neuen Väter-Generation; zeigen uns überhaupt die lässigen neuen Väter. Mit denen werden Literaturromantiker vielleicht eher schwer fertig. Aber sie werfen die Gesellschaft um Lichtjahre nach vorn.