25.11.08

Pudding vs. Plein

Doris Knecht | 11/08 | Kurier-Kolumne

Pudding und Philipp Plein markieren momentan die zwei Pole des finanzdesaströsen Spektrums: Der Designer Plein bedient jene, denen die Finanzkrise wurscht sein kann; Pudding die anderen. Pudding nämlich erlebe eine massives Revival: Kostet nicht viel, macht das Leben süß, jedenfalls vorübergehend, und erinnert uns an unsere Kindheit, in der wir noch keine Geldsorgen hatten.
Philipp Plein , 30 jähriger deutscher Modeschöpfer, eröffnete kürzlich in der Wiener Innenstadt einen Shop-in-Shop, in dem seine betörend geschmacklose und unvorstellbar teure Mode verkauft wird, und war deshalb in den TV-Tratschmagazinen zu sehe. In Gesellschaft gebeizter Klientel, Prototyp: Cora Schumacher. Außerdem gab er dem Standard ein Interview, indem er auch über eine seiner ersten Kreationen sprach,  ein Sofa für Hunde: „Ich habe mich gefragt, wie man seinem Haustier beweisen kann, dass man es liebt. Indem man ihm vielleicht was Gutes tut, indem man ihm etwas Teures kauft?“ (Man könnte es natürlich auch streicheln oder ihm ein Leckerli geben, aber das ist etwas für Leute, die Pudding essen müssen.)
Aber Plein hat noch mehr zu sagen. „Vor zwei Jahren haben wir ein T-Shirt hergestellt, auf dem ’Fuck you China’ stand.“ Da schau her: Ein aus Pleins Munde überraschend kritischer Kommentar zu Menschenrechtsverletzungen und Olympischen Spielen. Leider spricht der Designer weiter: „Wir haben damit ein politisches Thema angeschnitten, über das sich keiner traute, laut in der Öffentlichkeit zu sprechen: Das ist das Thema Plagiate.“
Sagen wir so: Das hätte ein Vanillepudding kaum  geistvoller ausgedrücken können.
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