14.12.08

Altmodisch langsam

Doris Knecht | 12/08 | Kurier-Kolumne

Sarah Wiener fährt wieder mit ihrem roten Käfer-Kabrio durch meinen Fernseher, und das habe ich gern. Diesmal ist sie in Italien unterwegs (Arte wollte sie, scheint’s, eigentlich durch Deutschlands Küchen schicken, aber da schmeckts ihr wohl nicht so). Italien ist gut, auch für den Zuseher, weil das meiste, was Wiener dort kochen lernt, ist so watscheneinfach, dass es jeder daheim nachmachen kann.  Die Jahreszeit für Winters „kulinarische Abenteuer“ passt mir, obwohl’s bei Wiener gerade Frühling ist, auch, weil ich mich im Winter fürs Kochen interessiere, und im Sommer weniger.
Ich mag’s, wie die Frau immer lacht und wie sie auf Leute zugeht und die Art, wie sie älter wird, ohne etwas Nennenswertes dagegen zu unternehmen.
Also jedenfalls nicht so, wie man das von öffentlichen Frauen sonst kennt. Ich habe einmal etwas Schönes von ihr gelesen, im Zeit Magazin, in dieser „Ich-habe-einen-Traum“-Rubrik, ich habe mir das herausgerissen und lange mit mir herumgetragen. Da redet Wiener übers Gehen, übers Wandern, übers sich Anstrengen, über ihren Körper und wie sie an ihm arbeitet: Nicht damit er vorm Spiegel imponiere, sondern damit er in 30 Jahren noch über Hürden springe, von Bäumen hüpfe und Räder schlage. Das hat mir gefallen.
Und es gefällt mir, wie sie in ihrer Fernsehsendung die Langsamkeit und die altmodische Sorgfalt zelebriert, wie sie die Zuseher mitnimmt auf die Suche nach dem Ursprung des Produkts und wie sie, wenn möglich, bei seiner nicht selten strapaziösen Herstellung anpackt.
Vielleicht kocht und lacht sie sich nächstes Mal ja durch Österreich. Außer natürlich, es schmeckt ihr hier nicht so.
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