23.12.08

Auch Oma lernt nie aus

Doris Knecht | 12/08

Nur noch zwei Mal schlafen. Die Oma verbringt den heiligen Abend heuer bei ihren anderen Enkerln, aber sie war jetzt eine paar Tage da und hat uns geholfen, den Feiern-Reigen zu überstehen: es weihnachtsfeiert sich wesentlich entspannter, wenn anderntags nicht um 6.20 Uhr der Wecker klingelt. (Apropos Weihnachtsfeiern: danke für die  teilweise überaus geschmackigen Handy-Fotos von Ihren Betriebsfesten, die sie mir freundlicherweise zukommen ließen.)
Das Geschenk für die Oma habe ich der Oma mitgegeben, aber ich kann nicht verraten, was es ist, weil die Oma zur kalten Jahreszeit gern im Internet herumstöbert. (Hallo Oma!)
Die Oma hat sich diesmal gar nicht darüber beschwert, dass wir ihr extra ein Bett gerichtet haben, was sie für gewöhnlich mit den Worten kommentiert, das wäre jetzt wirklich nicht nötig gewesen, ihr reicht doch das Sofa völlig. Also, eigentlich kann sie auch auf der Küchenbank schlafen, das macht ihr gar nichts aus. Die Oma lernt jetzt, Sachen anzunehmen, das war schon kaum mehr zu hoffen,  es geschehen noch Wunder.
Ich musste sie diesmal zum Beispiel nur ein einziges Mal anknurren, als sie, während sie uns Berge von Wäsche bügelte, fragte, ob es mir etwas ausmache, wenn sie sich einen Kaffee macht. Oma! Wenn du noch einmal fragst! Und sie hat diesmal auch kein einziges Mal gesagt, also wegen ihr brauchen wir nicht kochen: Vielleicht haben die hundert Mal, die wir ihr in den letzten Jahren erklärt haben, dass wir erstens  sowieso und zweitens gern für sie kochen, jetzt doch etwas genützt. Nächstes Jahr traut sich die Oma dann vielleicht schon, das Licht anzumachen, ohne vorher zu fragen; das wäre doch ein guter Vorsatz fürs neue Jahr, Oma, nicht?

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