17.12.08

Christkind-Wünsche zur Krisenzeit

Doris Knecht | 12/08 | Kurier-Kolumne

Liebes Christkind, ich wünsche mir zu Weihnachten erstens einen Schnee. Das, ich bin Zeiten der Krise bescheiden, kostet nichts und sollte für ein Himmelswesen kein Problem sein: Es soll nur ganz Wien mit einer ausreichend dicken Schneedecke dekoriert sein, das steht der Stadt. Und dann lass es tüchtig kalt sein, weil zweitens wünsch ich mir keinen Gatsch. Drittens soll es in der Früh nicht mehr so finster sein. Dazu lass es bitte in der Früh nicht mehr so früh sein: Da musst du, liebes Christkind, nur der Wiener Stadtschulratspräsidentin und der Frau Unterrichtsministerin eine Einsicht schenken, dass ein Schulbeginn um neun Uhr für alle das Beste ist: kostet auch keinen Cent. Fünftens sollen Einsichten bitte auch bei anderen Politikern unterm Christbaum liegen, individuell zugeschnitten natürlich, sie könnten zum Beispiel die Menschenwürde von Asylwerbern betreffen, die neue Mittelschule, Kindergeld-Reformen. Sechstens wünsche ich mir ein neuwahlfreies Jahr, siebtens eine nicht nur bienenfleißige, sondern auch realistische Regierung. Achtens hätte ich ger eine Erhöhung des Frauenanteils in Politik und Wirtschaft: Lach nicht, Christkind, ich weiß eh, dass du diesen Wunsch nicht erfüllen kannst, aber wünschen darf man trotzdem. Das selbe gilt für, neuntes, ein besseres Fernsehprogramm, ja ich weiß eh. Dafür ist Wunsch zehn babyleicht erfüllbar und sehr günstig: Ich wünsche mir nämlich, dass in nächster Zeit keine weltbedeutenden Fußball-Ereignisse in meiner unmittelbaren Umgebung stattfinden. Elftens aber sage ich: danke, liebes Christkind, dass du dieses Jahr Bob Dylan nach Wien geschickt hast: Ging ja! Das wünscht sich für nächstes Jahr wieder, deine Knecht
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