Doris Knecht
| 12/08
| Kurier-Kolumne
Da, schon passiert. Es war nur eine winziges Krümelchen Disharmonie, aber es kontaminiert nachhaltig das stolze und einige Strahlen der frischvermählten Koalitionäre: Denn der Vizekanzler wollte mit dem Kanzler, der damit den Beginn der neuen Epoche feiern wollte, nicht abendessen gehen. Terminkollisionen und so.
Dabei hatte der Kanzler schon einen schönen Tisch im Ambassador anvisiert, und vermutlich war mit Mörwald bereits die eine oder andere kulinarische Petitesse liebevoll ausgeheckt: probier dies als Symbölchen für eine lange und fruchtbare Legislaturperiode. Und das da auch.
Und ebendies hat der Vizekanzler ausgeschlagen. Oh, oh. Was ist von einer Ehe zu erwarten, in der die Braut schon keine Lust auf Flitterwochen hat? Leider, ich habe da schon einen wichtigeren Termin, fahr du mal allein.
Wir Paartherapheuten sind besorgt und ahnen Böses: Wenn eine Partnerschaft mit einem derartigen Misston beginnt, ist da nicht schon die Saat des Endenwollens implantiert? Wie das weitergehen könnte, lässt sich im „Handbuch für schlechte Vorzeichen“und im „Schnell-wieder-Single“-Ratgeber nachlesen: Zu Weihnachten das unangebrachte Geschenk oder gar keins. Silvester erst einem andern das Neujahr anwünschen. Im Mai den Geburtstag vergessen. Im Juni, wenn man beim Heurigen mit Freunden über „unser Lied“ plaudert, „Stay the Same“ von den New Kids On The Block anstimmen, und dabei wars doch „Never tear us apart“ von INXS. Die Jahrestage ignorieren: Das erste Kennenlernen, der erste Handschlag, das erste Duzen, die ersten Koalitionsverhandlungen, die ersten Annäherungen.
Es hätte alles so romantisch werden können. Und jetzt das.