Doris Knecht
| 12/08
| Kurier-Kolumne
Leser Michael W. hat einen viereinhalbjährigen Sohn, mit dem er das alljährliche Spielefest im Wiener Austria Center besuchte: auch um vielleicht den einen oder anderen Wunsch ans Christkind zu entdecken. Zuerst aber entdecken Vater und Sohn, dass sie sich nach Kartenerwerb durch Schülermassen drängeln müssen, und, zwar zwei Mal, weil man ihnen erst im zweiten Stock mitteilt, dass sie auch einen Spielepass brauchen. Wieder oben treffen die W.s zuerst auf einen Herrn, der seinen Kollegen (an Tag eins, um zehn Uhr) laut „Leckereien zur Nervenberuhigung“anbietet; das löst in W. warme Gefühle des Willkommenseins aus.
Herr W. holt ein Spiel, der Sohn befindet es alsbald als fad, worauf W. um weitere Spiele für Vier- bis Fünfjährige bittet, worauf die Mitarbeiterin ratlos blickt, minutenlang verschwindet und ohne Spiel wiederkehrt.Worauf Michael W. sich eines aus der Liste sucht, welches nach weiterem Gesuche aber nicht vorhanden ist. Ein anderer Mitarbeiter bringt schließlich etwas; nach langem Warten. W. fragt, wo man das ausprobieren dürfe. Die Antwort „überall“ versteht Herr W. wie „überall“ und setzt sich mit dem Kind in einen Saal, durch den bald ein Mitarbeiter rauscht und die Gäste brüllend informiert, das sei kein Spiel-, sondern der Bastelbereich.
Danach gehen Vater und Sohn auf Würstel und Pommes in die Gastrozone und suchen dort einen Essplatz, doch es gibt nur Stehtische in Thekenhöhe; für Kleinkinder optimal.
Als sich die W.s nach dem Essen ratlos über ein Spiel beugen, geschieht ein Wunder: eine Mitarbeiterin fragt, ob sie Hilfe brauchen. Ja! Die Mitarbeiterin bittet um die Spielanweisung, sie kenne das Spiel auch nicht. Der Eintritt zu dieser Spiel-Fachmesse kostete Leser W. übrigens neun Euro.