Doris Knecht
| 12/08
| Kurier-Kolumne
Es ereilt uns die Nachricht, dass Harald Schmidt seine ARD-Late-Night-Show schon bald wieder ohne Pocher bestreite; das ist eine gute Neuigkeit für die Handvoll Menschen, die trotz Proll-Pocher und „Traumschiff“-Kollaboration nicht aufgehört haben, in Schmidt einen brillianten Kopf, einen Intellektuellen zu sehen, ja, die Verkörperung des guten, gescheiten und humorfähigen Deutschen an sich. (In diesen Kontext passt das FAZ-Zitat auf dem Umschlag des großartigen Romans „Der Kaiser von China“ des jungen Deutschen Tilmann Rammstedt: „(...)brillant, absolut stilsicher, zum Bersten komisch und zugleich hochliterarisch!“ Das ist für die FAZ eine contradictio in adiecto: komische Literatur. Österreich hat damit nicht so ein Problem. Man wüßte auch gern, was unter hochliterarisch zu verstehen ist.)
Schmidt ohne Pocher jedenfalls bringt uns ins Sinnieren, welche gewohnten Dualitäten noch als Singularium besser wären, woraus wiederum eine kleine, unvollständigeWunschliste fürs 2009er-Jahr resultuiert. Wünschenswert wäre:
Wurst ohne Brot (die Kinder). Schokokuchen ohne Kuchen (ebendie). Der Opernball ohne Lugner ohne Promigast. Kärnten ohne Deutschnationale. (Unvorstellbar dagegen, apropos Ausgangsmotiv: Grissemann ohne Stermann u. u.) Der Kanzler ohne festgetackertes Gelächle. Kulturförderung ohne Freunderlwirtschaft. Politik ohne Spekulation. Ein Schulsystem ohne programmierte Verlierer. Lebensmittel ohne Gift. Schokolade ohne Kalorien. Leberkässemmel ohne Kalorien. Eis ohne Ka... ok, genug; der ganze Genuss-ohne-Reue-Komplex halt. Restaurants ohne Rauch. Sommer ohne Gelsen. Winter ohne kein Schnee. Weitere Vorschläge sind hochwillkommen.