3.12.08

Ein einfaches Düdeldü, bitte

Doris Knecht | 12/08 | Kurier-Kolumne

Das lag wohl einmal zu oft in einer Lache neben der Badewanne. Oder reagierte übersensibel auf das Gebrösel in der Tasche. Jedenfalls funktioniert das Mobiltelefon, obwohl noch gar nicht alt, nicht mehr gescheit; ein neues muss her. Das neue ist praktisch ident mit dem alten, bis auf die Lackierung und auf den, so scheints, minderbeunruhigenden Umstand, dass es nur 16 Ruftöne vorgespeichert hat. Wird schon etwas brauchbares dabei sein. Ist es nicht. Bei „Buzzer“ scheppern mir die Ohrwaschl, bei „Catwalk“ wird mir schlecht, der „Chipper“ lässt mich um Gnade jaulen; den selben Effekt haben die Klänge von „Collosseum“ und „Deal“. Der Discosound von „Eternal“ entspricht meiner Klingeltonpersönlichkeit so wenig wie die Klänge von „Journey“. „Freeheart“ und „Today“: jössas! Es wird mir noch das Geklingel eines alten Bakelittelefons vorgeschlagen (nein), und zwei Schrilltöne, die klingen wie ein altes Bakelittelefon auf Ecstasy. Nein! Meine Klingeltonpersönlichkeit nämlich fühlt sich von mildem, faulem Elektro-Gedüdel aus maximal zwei Tönen am besten verstanden, und derlei hat mein Handy nicht mehr im Angebot. Zu sehr neunziger Jahre, nehme ich an. Aber bitte, es gibt Klingelton-Websites, und Halleluja, das Angebot ist enorm, tausende von Tönen und darunter nicht einer, bei dem ich in der Bim nicht vor Scham unter die Bodenplatten kriechen würde. Hengste wiehern, Vögel zwitschern, Streichorchester fiedeln, der Kasperl krawuutzikapuutzt, Charthits pumpern, und wildfremde Kerle brüllen im Krocha-Style meinen Namen. Aber ein einfaches, bescheidenes Düdeldü: nix. Die moderne Welt versteht mich nicht mehr. Nein, nicht umgekehrt.
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