Doris Knecht
| 12/08
| Kurier-Kolumne
Die Heizung muss Mittwoch Nacht ausgefallen sein. Am Donnerstag gegen Abend fiel auf, dass es kalt war, man kniete sich vor den Kessel und vermisste eine Flamme. Versuche, sie wieder zu zünden, scheiterten. Die Firma, die den Kessel wartet, wurde angerufen: Man werde den Techniker morgen früh gleich verständigen.
Freitag sehr früh rief man sicherheitshalber gleich wieder an, bekam auch den Techniker an den Apparat, und der sagte, er werde später vorbei schauen. Nach elf kam er tatsächlich, sah sich das Problem an und seufzte. Das könnte schwierig werden. Entweder es sei kein Problem und mit ein wenig Putzen behoben, oder es sei ein Problem, dann aber großes, weil der Kessel uralt und das Ersatzteil nur noch in Deutschland erhältlich sei; Lieferdauer zehn Tage Minimum. Zu diesem Zeitpunkt trug man bereits dicke Pullover.
Es war ein großes Problem, Gasarmatur kaputt; der Techniker rief gleich in Deutschland an, es war bereits nach zwölf, keiner mehr da. Es gäbe, meinte der Techniker, noch ein winzige Chance, eine kleine Firma im 18. Bezirk, mit sehr viel Glück habe die das Teil vielleicht, er müsse sowieso in die Gegend. Ja, sicher; vielen Dank, auf Wiedersehen. Man rief die Hausverwaltung an und besprach die Möglichkeiten, zwei Wochen ohne Heizung zu überbrücken. Gegen zwei rief der Techniker an und sagte, er habe das Teil aufgetrieben, er komme jetzt und baue das ein, das gehe ja nicht, mit den Kindern in dieser Kälte.
Wir sagen uns das noch einmal vor: ein Wiener Handwerker, der in Eigeninitiative ein Ersatzteil auftreibt und es an einem Freitag nachmittag einbaut, wo er längst frei haben könnte. Es muss eindeutig Weihnachten sein.