Doris Knecht
| 12/08
Am Dienstag um halb acht fuhr Isa G. mit dem D-Wagen zur Arbeit. Zwei Jugendliche, etwa 16, setzten sich vor sie. Einer zog ein Butterfly-Messer und begann, mit diesem die Sitzlehne vor sich zu bearbeiten. Isa G. teilte dem Burschen mit, dass sie das für keine gute Idee halte. Der Bursche meinte, das gehe sie nichts an. Isa G. fand, im Gegenteil und ging vor zum Straßenbahnfahrer. Der kam mit nach hinten, sprach mit dem Jugendlichen und fragte ihn wo er hin fahre. Der Bub sagte: In die Schule.
Isa G., Mutter von vier Schulkindern, erschrak und rief die Polizei. Der Junge stieg aus. Der Straßenbahnfahrer sagte, er könne hier jetzt nicht länger stehen bleiben. Isa G. stieg auch aus und wartete auf die Polizei. Sie sagt, der Bursche habe eh harmlos gewirkt, ein dummer Bub halt, aber sie stellte sich vor, was dumme Buben mit so einer Waffe in einer Schule anrichten können, wenn es blöd kommt.
Die Polizei kam; stellte den Jugendlichen, der sich schon schlich, sprach mit ihm, ein Beamte nahm Isa G.s Daten auf . Sie sei aufgeregt gewesen, sagt Isa G., was dadurch nicht besser wurde, dass der Polizist ihr sagte, sie solle ihre rosarote Brille abnehmen: Jeder zweite Schüler habe heutzutage ein Messer mit. Isa G. wurde den Eindruck nicht los, dass es die Polizei vorgezogen hätte, wenn sie nicht wegen so einer Lappalie hätte ausrücken müssen. Wegen einer hysterischen Mutter, die der Realität nicht ins Auge sehen will.
Isa G. fragt sich jetzt, ob sie das sollte: Wegschauen, bei so etwas. Die offenbar unvermeidliche Radikalisiserung der Umgangsformen unter Kindern und Jugendlichen akzeptieren. Hoffen, dass schon nichts passiert: so etwas wie kürzlich in der Leopoldstadt, als Jugendliche eine Schulklasse samt Lehrer verprügelten... Isa G. findet: nein.