31.12.08

So wird das neue Jahr

Doris Knecht | 12/08 | Kurier-Kolumne

Es ist die Saison der Horx-Interviews: alle Jahre wieder wirft der  Trendforscher seine  Neujahrsprognose unters Volk. (In jener für 2008 sah Horx keine Wirtschaftskrise herandräuen, sondern die neue Hegemonie der Kreativen Klasse sowie den Sieg der „spirituellen Technolgie“ über den „technischem Maximierungsgedanken“ voraus. Aber das kann ja einmal passieren.)
Im KURIER sagte Matthias Horx gestern ungefähr, dass das Testosteron schuld sei an der Weltwirtschaftskrise und dass etwas weniger bis nichts davon in den Organismen der Entscheidungskräfte der Welt wohl bekäme. Dem kann ich, no na, einiges abgewinnen, auch wenn ich nicht dem Glauben anhänge, Frauen seien per se das bessere Geschlecht: Aber sie lassen sich, das glaube ich nach langen Erfahrungsjahren einigermaßen empirisch behaupten zu können, bei Entscheidungen von anderen Prioritäten leiten als Männer und setzen für Erfolg oder Lebensqualitäten andere Parameter. Aber wie immer: Ausnahmen bestätigen die Regel.
Über die Krise sagte Horx in einem Interview für die Vorarlberger Neue  (aus bequemer, sicherer Position), man dürfe „sich nicht dauernd vor Angst in die Hose“ machen. Es gebe  Alarmisten und den Solutionisten: erstere „läuten ständig die Angstglocke und versuchen, damit Wirkung zu erzeugen. Solutionisten suchen nach Lösungen“, und Horx lässt wenig Zweifel daran, wem er mehr vertraut.
Allerdings resultiert die Krise halt schon auch daraus, dass man die Warner  stets als Alarmisten denunzierte und lieber den Solutionisten glaubte, die meinten, das regle das System und der Markt schon alles selbst zum Besten. Hoffentlich behält Horx wenigstens mit den Frauen Recht.
« Das wäre besser ohne | Main | Ein gutes, neues, dann! »