14.01.09

Bootlose Kunst

Doris Knecht | 01/09 | Kurier-Kolumne

So geht jeder mit der Kälte auf seine Weise um. Die einen fahren in den heißen australischen Dschungel und futtern Kakerlakenhoden, die anderen bleiben hier (und hoffen, dass Russland bald einlenkt) und laufen Eis. Es hat die Kälte, eine Kälte, wie die aktuelle, ja nicht nur die Eigenschaft, einem bis unter die Tuchent in die Knochen hinein zu kriechen, falls der Ofen nicht geht, sie friert auch den Neusiedlersee zu und die Alte Donau.  Und die Alte Donau vereist im Augenblick – trotz der traditionellen alljährlichen Warnung vor eisbrecherischen Strömungen, die wir durchaus ernst nehmen – stabiler als der Neusiedler See, in den am Wochenende mehrere Eisläufer unvermutet plumpsten.
Auf der Alten Donau dagegen wandelten tausende Menschen wie du und ich sicher übers Wasser. „Ich weiß gar nicht, was alle immer mit dem übers Wasser gehen haben, es ist doch babyleicht“, sagte S.
S. trug bei seiner Wandlung allerdings nicht wie du und ich Schlittschuhe, seit ihn letztes Jahr am  Rathaus-Eislaufplatz ein damals noch unsicheres Kind an seiner Hand ruckartig fällte, er rücklings in eine große Lache bretterte und dann tagelang   über ein hiniches Kreuz jammerte und Flüche gegen den Erfinder des Eislaufschuhs ausstieß.
Aber wir anderen liefen auf unseren Schlittschuhen rund ums Gänsehäufel. Es war kalt. Es war herrlich. Am Samstag schien dazu  gleißend die Sonne, aber auch der eisige Nebel am Sonntag hielt uns nicht daheim, denn man muss auch und gerade die eisigste Kälte ausnützen: Wie oft im Jahr kann man das Gänsehäufel bootlos auf der Wasseroberfläche umrunden? Danach schnell heim an den Ofen: der warm war, zum Glück.
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