Doris Knecht
| 01/09
| Kurier-Kolumne
Erst unlängst haben wir hier den neuen Trend-Begriff Prokrastination gelernt (das KURIER-Korrekturprogramm dagegen beanstandet ihn nach wie vor), schon muss man sagen: Noch bevor das Prokrastinieren Österreich so richtig Krocha-artig durchseuchen konnte, noch bevor profil einen Titel („ProkrastiNATION Österreich“) dichtete und noch bevor Thomas Schäfer Ellmayer, Jeannine Schiller oder Toni Polster im Society-TV ihre Haltung zum grassierenden Prokrastinationswahn äußern konnten, geht der Trend schon wieder brutal in die Gegenrichtung.
Die Amerikaner sind wieder einmal Schuld; genauer: Der neue US-Präsident und seine Gattin. (Ich kenne auch ein paar Schweizer, die gegen das Prokrastinationsfieber immun sind, aber die fallen nicht so sehr ins Gewicht.)
Kaum also sind wir im Stande, Prokrastination einigermaßen unverstolpert auszusprechen und halbwegs korrekt zu konjugieren, gilt es schon als komplett hintergestrig: das Abwarten, das Erstmalteetrinken, das Vorsichherschieben, das Wirdschowern, das Morgenistauchnocheintag. Das Gegenteil ist jetzt schick: Probleme werden nun schon gelöst, bevor die Leute noch gemerkt haben, dass sie eins haben. Angepackt wird, noch ehe der Wecker dreimal klingelt.
Das Signal an die Prokrastinateure ist erbarmungslos: Ihr seids ja so last season, oder (wir wollen hier auch einmal einen Begriff erfinden): so bushy. (Oder besser: bushous? bushoid? Bushös? Bushikovsky? Jedenfalls out. )
Tja. Phhh. Das ist hart: Und wir Prokrastinierer werden uns tüchtig darüber grämen und uns SO an der Nase packen: Wahrscheinlich sogar schon morgen.