Doris Knecht
| 01/09
| Kurier-Kolumne
Aufgepasst. Sie werden hier jetzt etwas lernen, über das sie in nächster Zeit sehr oft stolpern werden, nämlich den Begriff „Prokrastination“. Obwohl, wie spät ist es? Erst kurz nach elf? Dann brauch ich mich mit diesem Text nicht hetzen. Geht einer von den Kollegen in die Kantine? Noch nicht, aha. Aber der Super-G fängt gleich an? Bin schon da!
Oje. Der Hermann Maier nur Elfter. Also: Prokrastination bezeichnet das Phänomen, sich vor der Arbeit zu drücken, so lange es irgendwie mögl.... Kantine? Ja, Moment, ich komme mit!
So, satt. Zu satt eigentlich. Ich hätte vielleicht doch das Hoki-Filet nehmen sollen statt dem Mailänder Schnitzel. Und auf den Nachtisch verzichten. Zu spät, aber ein Espresso muss jetzt sein, sonst kann ich unmöglich weiterschreiben.
Der Spiegel nennt Prokrastination ein „Trendleiden“ und übersetzt es mit „Aufschieberitis“, und Max Goldt hat, das habe ich gerade via Facebook von der Kollegin K. erfahren, in seinem Buch „QQ“ darüber geschrieben. Vielleicht sollte ich schnell ins Buchgeschäft laufen und das nachlesen? Und kurz auch in dieses Buch hineinblättern, über das jetzt alle reden, na, wie heißt es gleich? „Dinge geregelt kriegen - ohne einen Funken Selbstdisziplin“, genau.
Halt, dafür ist es schon zu spät; und es geht auch so, das Internet gibt genug hier. Trotzdem, im Fremdwörterbuch nachschlagen kann nie schaden. Da schau her: 1969 und 1997 kannte man das Wort „Prokrastination“ noch gar nicht. Vielleicht steht’s im Pschyrembel, es klingt ja eher wie etwas, das der Zahnarzt macht. Apropos, den muss ich schnell anrufen, ich brauche einen Termin; aber natürlich muss jetzt prompt das Telefon klingeln. Oje, die Schlussproduktion: Ja, ja, ja, ich bin eh gleich fertig!