Doris Knecht
| 01/09
| Kurier-Kolumne
Der Vorsatz fürs neue Jahr: entrümpeln. Ballast abwerfen. Sachen loswerden, die man nicht braucht. Platz schaffen für Luft. Das Problem: Wir sind eine Familie von Sammlern. Leider sammeln wir keine schönen, wertvollen Dinge, wie zum Beispiel meine Freundin N., die in einem sonst sachenfreien Raum ein paar Dutzend Globen aus allen Epochen fantastisch zu Wirkung kommen lässt.
Nein, wir sammeln Mist. Mist, den man noch einmal brauchen wird, selbstverständlich: der Vater alte Zeitschriften. Die Mutter Dosen und Schachteln. Eins der Kinder sammelt Gummiringerl, das andere ist unfähig, sich von einem glitzernden Zuckerl-Papierl zu trennen: Das muss geglättet, archiviert und vergessen werden, erst dann kann Mutter es heimlich entsorgen. Oma sammelt bei jedem ihrer Besuche einzelne Kindersocken, verpackt sie sorgfältig in einem Sackerl und verräumt sie dann ordentlich an einem Ort, and dem ich sie durch Zufall wiederfinde, wenn sie den Kindern längst zu klein geworden sind oder ich die zweite Socke eben weggeschmissen habe. Beziehungsweise taucht die zweite Socke mitunter Monate später in einem anderen, ebenfalls gut verstauten Sackerl auf.
Der hilfreiche Dr. A. rät mir zum Erwerb des Buches „Aufgeräumt“ von Terence Conran, aber ich zaudere noch: Ich bin mir nicht sicher, ob ich einem Mann, der Nippes-Enten entwirft und Stühle, deren Lehnen gegen den Rücken hin aufgerollt sind, vertrauen soll. Ich bezweifle, dass er die Schönheit einer perfekten Schachtel erkennt oder den Wert von 30 alten Espresso-Dosen, gefüllt mit Dingen, die man bestimmt demnächst braucht. Ich bringe jetzt einmal den Christbaum weg. Damit ist doch schon einiges geschafft.