2.01.09

Rächer der Raucher

Doris Knecht | 01/09 | Kurier-Kolumne

Heute ist der Tag. Jetzt ist die Stunde: die Stunde, in der sich die ersten denken, ob es wirklich so eine gute Idee war,  im neuen Jahr mit dem Rauchen aufzuhören. Es sind die ersten von Millionen von Minuten, die man ab jetzt ohne Zigarette überleben muss. Überleben will. (Bzw.: wollte, im momentanen Moment weiß man gerade nicht mehr, warum eigentlich. Doch:) Als Geschenk an die Gesundheit und an die Familie, als Wink an die  Lebenserwartung.
Erstens soll es ihnen gelingen. Zweitens hätten sie wesentlich mehr Unterstützung vom Gesetzgeber verdient. Drittens langte auch gestern wieder ein Newsletter der „Raucherbewegung“ ein, die Newsletter-Abmeldungen mit beeindruckender Konsequenz ignoriert und sich als letzter Rächer der Raucher versteht.
Das ist allerdings ein  Missverständnis, denn die effizienteste Raucher-Lobby war die geschiedene Regierung, die ein beinah rauchverbotsfreies Rauchergesetz verabschiedete, das so gut wie jede Forderung der „Raucherbewegung“ erfüllt: Es raucht praktisch ein jeder  weiter, wie und wo er will, niemand ist wirklich für die Kontrolle des bisserl Nichtraucherschutzes zuständig und die Übergangsfristen sind derart elastisch, dass sich im Moment des Inkrafttretens des Gesetzes eh noch niemand tatsächlich um dessen Befolgung kümmern muss.
Besser gesagt: soll. Es ist für Gastronomen vermutlich  klüger, sich erst Anfang des nächsten Jahres konkret  um die Umsetzung der Vorgaben zu scheren, denn erst Mitte des nächsten Jahres meint es das Gesetz wirklich ernst. Und wer weiß, was bis dahin noch alles passiert. Vielleicht glaubt ja die Welt der „Raucherbewegung“ endlich, dass Rauchen eigentlich keinem schadet.
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